Der rassistische Präsident und die Affen – Eine Grenzüberschreitung, die niemanden mehr aufzurütteln scheint

VonRainer Hofmann

Februar 6, 2026

Der republikanische Senator Tim Scott fand klare Worte. Er sprach vom „rassistischsten, was ich aus diesem Weißen Haus gesehen habe“, und forderte, der Präsident solle das Video löschen. Gemeint ist ein Clip, den Donald Trump am 5. Februar auf seiner Plattform Truth Social weiterverbreitete. Darin sind Barack und Michelle Obama als tanzende Affen dargestellt, ihre Gesichter auf animierte Tierkörper montiert, unterlegt mit dem Lied „Der Löwe schläft heut Nacht“. Mehr als elf Stunden ist das Video nun online, ohne Distanzierung, eine Schande für ein ganzes Land.

„Eine rassistische Entgleisung sondergleichen“

Der Clip war am Ende eines längeren Videos eingefügt, in dem erneut unbelegte Vorwürfe über angeblichen Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl 2020 verbreitet wurden. Das Material zeigte die Obamas mit überblendeten Gesichtern auf zwei animierten Affen, die zu der bekannten Melodie tanzen. Keine Satirekennzeichnung, kein ironischer Kontext, kein Kommentar. Einfach geteilt. Und damit vom Präsidenten selbst legitimiert. Auf Nachfrage reagierte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, mit einer Abwehrformel. Es handle sich um ein Internet-Meme, das den Präsidenten als „König des Dschungels“ und Demokraten als Figuren aus „Der König der Löwen“ darstelle. Man solle die „falsche Empörung“ beenden und über Dinge berichten, die für die amerikanische Öffentlichkeit tatsächlich wichtig seien. Eine Entschuldigung? Fehlanzeige. Eine klare Zurückweisung rassistischer Bildsprache? Ebenfalls nicht.

Das ursprüngliche Meme, auf das sich die Sprecherin berief, zeigt Trumps Kopf auf dem Körper eines Löwen. Daneben erscheinen andere Politiker, darunter Joe Biden und Hillary Clinton. Doch das ändert nichts an der konkreten Sequenz mit den Obamas. Die Darstellung schwarzer Menschen als Affen ist keine harmlose Spielerei, sondern ein historisch belastetes Motiv, das seit Jahrhunderten zur Entmenschlichung missbraucht wurde. Wer dieses Bild bewusst verbreitet, weiß, was er tut. Gavin Newsom nannte das Verhalten des Präsidenten „abstoßend“ und forderte jeden republikanischen Mandatsträger auf, sich davon zu distanzieren. Doch aus vielen politischen Hauptstädten blieb es auffallend still. Keine geschlossenen Reihen gegen offene Herabwürdigung. Kein spürbarer Druck aus internationalen Kreisen, die sonst schnell mahnende Worte finden. Stattdessen Schweigen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump entsprechende Inhalte teilt. Bereits im Juli hatte er ein künstlich erzeugtes Video verbreitet, in dem Barack Obama verhaftet und in eine Gefängniszelle gesteckt wird, begleitet vom Lied „Y.M.C.A.“. Auch damals wurden Szenen manipuliert, politische Gegner vorgeführt, das Bild des Rechtsstaats verzerrt. In einem weiteren Fall wurde ein künstlich erstellter Clip veröffentlicht, der den demokratischen Fraktionsführer Hakeem Jeffries mit falschem Sombrero und Schnurrbart zeigte. Die Methode ist bekannt, die Wirkung kalkuliert. Neu ist nicht die Grenzüberschreitung. Neu ist die Gewöhnung. Ein Präsident verbreitet rassistische Darstellungen seiner Vorgänger, und ein Teil der politischen Klasse reagiert mit Achselzucken oder taktischer Zurückhaltung. Selbst der Hinweis, es handle sich um ein „Meme“, kann nicht verdecken, dass hier bewusst ein Bild in Umlauf gebracht wird, das auf Entwürdigung zielt.

Wir haben gestern darüber diskutiert, ob wir dieses Thema aufgreifen. Die Entscheidung, es heute nachzuholen, fiel leicht. Wer schweigt, macht sich zum Zuschauer. Und wer zuschaut, während das Amt des Präsidenten zur Plattform für rassistische Inhalte wird, darf sich später nicht wundern, wenn die Grenze weiter verschoben wird. Was hier geschieht, ist keine Petitesse im digitalen Raum. Es ist Rassismus in Reinkultur und alle schauen zu. Und das Schweigen vieler Verantwortlicher ist ein Versagen auf ganzer Linie.

Update 18:15 Uhr (MEZ) – Trump hat das Video nun gelöscht, nachdem aus den Reihen der Republikaner und der Bürgerrechtsbewegungen die Kritik immer lauter wurde. Der Schaden wird bleiben – ebenso das internationale Schweigen aus der Politik.

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Muras R.
Muras R.
5 Stunden zuvor

Was für ein widerliches Ablenkungsmanöver von dem Dreck, der in den E-Files trotz der Schwärzungen sichtbar wird

Anja
Anja
5 Stunden zuvor

Im König der Löwen kommen keine Affen vor, nur Rafiki, ein Mandrill. Soweit zu dem Thema Karoline L. Leider wussten wir ja schon immer, dass Trump und seine Fanbase rassistisch sind, von daher wundert man sich nicht. Abstoßend ist es allemal und sagt sehr viel über diesen Menschen aus, was man aber schon alles wußte.

Lea
Lea
4 Stunden zuvor
Antwort auf  Anja

Ist ein Mandrill nicht auch eine Affenart?

Anja
Anja
4 Stunden zuvor
Antwort auf  Lea

Mandrille gehören zu den Meerkatzen. Sind zwar Primaten, aber gehören nicht zu den Affen im engeren Sinn

Anna-Maria Wetzel
Anna-Maria Wetzel
3 Stunden zuvor

Es ist abstoßend, was sich Trump für Niederträchtigkeiten leistet. Er hat überhaupt keine Kontrolle mehr über seine Handlungen. Es gehört aus dem Amt entfernt, warum lässt man ihn immer noch ohne Rücksicht auf die Weltbevölkerung agieren?

Sylvia Lorenzen
Sylvia Lorenzen
3 Stunden zuvor

Es ist nicht nur abnorm und beschämend, sondern entbehrt jeder menschlichen Würde.
Ein Präsident , der sofort des Amtes enthoben werden müßte. Untragbar.

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