Der Code entscheidet – Wie Golden Dome die Kontrolle über Krieg neu verteilt

VonRainer Hofmann

März 25, 2026

Im Pentagon wächst ein System, das nicht durch seine Raketen auffällt, sondern durch das, was sie steuert. Anduril Industries und Palantir Technologies arbeiten an der Software für den geplanten Golden Dome, ein Raketenabwehrschirm im Wert von rund 185 Milliarden Dollar. Was hier entsteht, ist kein klassisches Rüstungsprojekt. Es ist ein digitales Steuerzentrum für militärische Entscheidungen. Die Aufgabe dieser Software ist klar umrissen und zugleich weitreichend. Sie soll Daten aus Radaren, Sensoren und Satelliten zusammenführen, Bedrohungen erkennen, bewerten und in konkrete Befehle übersetzen. General Michael Guetlein von der Space Force, der das Projekt leitet, beschreibt sie intern als die verbindende Schicht, die alle Systeme zusammenhält. Von Beginn an sei klar gewesen, dass genau diese Steuerung der entscheidende Faktor sei.

Das Projekt wird nicht nur von Anduril und Palantir getragen. Aalyria Technologies bringt Netzwerktechnik ein, die ursprünglich aus dem Umfeld von Alphabet stammt. Hinzu kommen das KI-Unternehmen Scale AI und die Softwarefirma Swoop Technologies. Später wurden auch klassische Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin, Northrop Grumman und RTX eingebunden. Auffällig ist dabei die Rollenverteilung. Die großen Rüstungskonzerne arbeiten hier nicht als Hauptauftragnehmer, sondern liefern zu. Die Führung liegt bei Technologieunternehmen.

Für den Sommer ist eine erste Live-Demonstration geplant. Ziel ist es zu zeigen, dass das System Daten aus unterschiedlichen Quellen aufnehmen, verarbeiten und unmittelbar in Handlungen umsetzen kann. Gelingt das, entsteht eine Plattform, die dauerhaft weiterentwickelt werden muss. Wartung, Updates, Erweiterungen – all das bindet den Staat langfristig an die Anbieter und eröffnet ihnen Einnahmen in Milliardenhöhe.

Die Bedeutung dieser Software zeigt sich auch organisatorisch. Sie ist das einzige Teilprojekt von Golden Dome, das direkt im Büro von Michael Guetlein gesteuert wird. Andere Komponenten liegen bei der Air Force oder der Missile Defense Agency. Das allein macht deutlich, wo die Priorität liegt. Gleichzeitig verändert sich die Art, wie Militär eingekauft wird. Softwareverträge gewinnen an Gewicht, während klassische Beschaffungsmodelle an Einfluss verlieren. Anduril hat erst kürzlich einen Zehnjahresvertrag über bis zu 20 Milliarden Dollar mit der US-Armee erhalten, um mehrere Projekte zu bündeln.

Golden Dome richtet sich gegen Angriffe aus der Luft, gegen Raketen, Drohnen und andere Bedrohungen. Doch entscheidend ist nicht mehr nur die Abwehrtechnik. Entscheidend ist, wie schnell Informationen verarbeitet und Entscheidungen getroffen werden. Genau dort setzt dieses System an.

Wer diese Software kontrolliert, kontrolliert Abläufe, Schnittstellen und Reaktionszeiten. Golden Dome zeigt damit, wohin sich militärische Macht entwickelt. Nicht weg von Waffen, sondern hin zu dem Code, der sie lenkt.

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