Amerikas kalte Gier – Wie Trump mit einem alten Militärpakt den Griff nach Grönland rechtfertigen will

VonRainer Hofmann

Januar 7, 2026

Donald Trump will Grönland. Nicht symbolisch, sondern buchstäblich. Nach dem Überfall auf Venezuelas Präsidenten Maduro präsentiert sich der US-Präsident ohne Grenzen, und Grönland ist sein nächstes Ziel. Er brauche die Insel „aus nationalen Sicherheitsgründen“, sagt er. Seine Berater werden deutlicher: Man könne Grönland kaufen – oder einfach nehmen. Stephen Miller, Trumps einflussreicher Sprachrohr, erklärt offen: „Niemand wird sich mit den USA deswegen anlegen.“

Doch was wie eine Drohung klingt, basiert auf einem realen Hebel. Ein fast vergessenes Verteidigungsabkommen aus dem Kalten Krieg gibt Washington schon heute weitreichende militärische Rechte auf der größten Insel der Welt. Unterzeichnet 1951 von den USA und Dänemark, erlaubt es den Amerikanern den Bau und Betrieb von Stützpunkten, die Stationierung von Truppen und die Kontrolle über Starts, Landungen, Ankerplätze und Bewegungen von Schiffen und Flugzeugen. Ein Update aus dem Jahr 2004 gibt auch der grönlaendischen Regierung ein Mitspracherecht – zumindest auf dem Papier.

📄 Zusatzprotokoll 2004 – USA, Dänemark, Grönland
Im Jahr 2004 wurde das Verteidigungsabkommen von 1951 erweitert: Grönlands autonome Regierung wurde offiziell als gleichberechtigter Partner anerkannt. Seither ist die Zustimmung sowohl Dänemarks als auch Grönlands erforderlich, wenn die USA militärische Operationen auf der Insel verändern wollen. Das Protokoll wurde von US-Außenminister Colin Powell unterzeichnet – es betont den Schutz der lokalen Bevölkerung und bindet die amerikanische Militärpräsenz an transparente Konsultationsverfahren.

Derzeit betreibt das US-Militär nur noch eine einzige Basis: die Pittufik Space Base, früher Thule Air Base, die früher Teil eines ausgedehnten Frühwarnsystems war. Doch die Vereinbarung würde es Washington erlauben, die Präsenz massiv auszuweiten, ohne formelle Zustimmung. Dänemark hat keine Vetomacht. Und auch wenn das Abkommen „Konsultationen“ vorsieht, heißt das nicht „Erlaubnis“.

Führende Sicherheitsexperten in Dänemark und Grönland schlagen Alarm. Wenn Trump es wirklich will, kann er tatsächlich Häfen, Landebahnen und militärische Einrichtungen bauen, notfalls mit der simplen Mitteilung an Kopenhagen. Ob das legal ist, sei eine andere Frage. Doch wie Jens Adser Sorensen, ein früherer Parlamentsbeamter, sagt: „Der Mechanismus ist da.“ In Grönland selbst löste Trumps Äußerung Empörung aus. Premierminister Jens-Frederik Nielsen sagte klipp und klar: „Unser Land steht nicht zum Verkauf.“ Eine Umfrage zeigt: 85 Prozent der Grönlaender lehnen eine Übernahme durch die USA ab. Die Insel besitzt ein Selbstbestimmungsrecht, ein Referendum wäre nötig. Doch die USA scheinen entschlossen, den Druck zu erhöhen.

Parallel zur territorialen Frage geht es um Ressourcen. Grönland verfügt über bedeutende Vorkommen seltener Erden und anderer strategischer Rohstoffe. Auch hier versuchen die USA, ihren Einfluss zu verstärken. Doch wirtschaftliche Zusammenarbeit ist etwas anderes als Annektierung. Und genau dieser Eindruck verfestigt sich bei vielen Europäern.

🔍 Rohstoffe in Grönland
Unter Grönlands Eis lagern bedeutende Vorkommen seltener Erden, Uran, Zink, Kupfer, Gold und Graphit. Die Region gilt als strategisches Ziel für globale Tech-Industrien, Rüstungsbetriebe und Staaten mit großem Rohstoffbedarf. Besonders umstritten ist der Zugang zu Rare Earth Elements, die u. a. für Elektronik, Halbleiter und Raketentechnik benötigt werden. Während China weltweit dominiert, hoffen die USA auf alternative Lieferquellen – Grönland steht dabei ganz oben auf der Liste.

Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen hat inzwischen deutlich gemacht, dass ein Angriff auf Grönland ein Angriff auf die internationale Ordnung wäre. Auch europäische Staats- und Regierungschefs stellen sich hinter die Insel und verweisen auf das bestehende Abkommen. „Grönland gehört seinem Volk“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Trumps Fixierung auf Grönland ist kein Witz. Es ist Machtpolitik mit historischen Waffen: alten Verträgen, geopolitischer Einschüchterung und der stillen Drohung, sich notfalls zu nehmen, was man will. Die Welt sollte sehr genau hinhören.

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Lea
Lea
1 Tag zuvor

Mir wird immer öfter übel bei solchen Meldungen, in jüngeren Jahren hätte ich das wohl besser verkraftet.

Ela Gatto
Ela Gatto
23 Stunden zuvor

Von diesem Vertrag wusste ich bisher nichts.
Vermutlich wussten Viele davon nichts.

Damit ist Trumps Annexion von Grönland quasi nur ein Verwaltungsakt.
Er baut seine Militärpräsenz im Rekordtempo aus, bis Greenland quasi keine Luft mehr zum Atmen hat.

Bevorzugt an den Küsten gleich auf den Ressourcen Vorkommen.

US Militärgelände ist eine Tabuzone und damit wird mit jeder Basis Grönland ein Stück Land entzogen.

Man muss sich fragen, in welcher geistiger Umnachtung Dänemark einen solchen Vertrag unterschrieben hat.

Das ist ja ein absoluter Knebelvertrag

Ela Gatto
Ela Gatto
10 Stunden zuvor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Das ist übel.
Aber Verträge kann man sicher kündigen?
Bzw der große Dealmaker hält sich doch auch an keine Verträge.

Da muss es doch (hoffentlich) eine Hintertür geben.

Beni Tomo
21 Stunden zuvor

Verträge können doch in der Regel auch irgendwie gekündigt werden.
Geht das hier nicht?

Ela Gatto
Ela Gatto
10 Stunden zuvor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Aber, da US Militäranlagen grundsätzlich Sperrgebiet sind, ist es eine quasi Enteignung, oder?

Und sicher muss keine Rücksicht auf Naturschutz, grönländische Infrasyruktur etc genommen werden.
Die USA können bauen wo und wie sie wollen.

Zur gemeinsamen Veryeidigung.
Und wie das zu definieren ist, bestimmt die USA….
Weder Grönland noch Dänemark fühlen sich, außer von den USA, bedroht.

Es muss doch ein Schlupfloch geben … Ansonsten sollte man den Dänen, die das abgesegnet haben (klar die sind schon tot) den Vertrag um die Ohren hauen.
Wie dumm kann man sein, seine Souveränität derart auf dem Silbertablett abzugeben?
Kalter Krieg hin oder her, den Vertrag hätte man gerechter und sinnvoller verfassen können.

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