Jolfa – Zwei Wochen Pause. Das ist, was gestern Nacht vereinbart wurde. Zwei Wochen, in denen keine amerikanischen Bomben auf Iran fallen sollen, in denen die Straße von Hormus unter iranischer Militärverwaltung wieder passierbar sein soll, in denen Delegationen in Islamabad verhandeln werden über das, was danach kommt.
Während Beirut brannte.
Israel schlug am Mittwochnachmittag während der Rushhour gleichzeitig in fünf Stadtteilen der libanesischen Hauptstadt ein. 50 Kampfjets, 160 Munitionseinheiten, 100 Ziele, alles in zehn Minuten. Schwarzer Rauch über der Corniche al-Mazraa, einer der belebtesten Kreuzungen der Stadt, Einfahrt zur Innenstadt, zum Flughafen, zur Küste. Ausgebrannte Autos, Beton, verbogenes Metall, Leichen in geparkten Fahrzeugen. Rettungskräfte suchten noch zwei Stunden später nach Überlebenden. Israel sagte, es habe Hisbollah-Ziele getroffen. Hisbollah, sagte Israel, versuche seine Operationen tiefer in Zivilgebiete zu verlagern.
Pakistan hatte bei der Waffenstillstandsvermittlung erklärt, die Vereinbarung schließe auch den Libanon ein. Israel sagt, das stimmt nicht. Hisbollah sagt, es warte ab, ob Mediatoren einen Waffenstillstand für den Libanon sichern könnten. In der Zwischenzeit halte man sich nicht daran, weil Israel es auch nicht tue.
Das ist der Zustand dieses Waffenstillstands. Jede Seite hat ihre eigene Version davon.
Verteidigungsminister Pete Hegseth stand am Mittwoch im Pentagon vor der Presse und erklärte den Krieg zum Sieg – an seiner Seite General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, legte Zahlen vor: über 13.000 Ziele getroffen, 80 Prozent von Irans Luftabwehrsystemen zerstört, 90 Prozent der Waffenfabriken angegriffen, mehr als 90 Prozent der regulären iranischen Marine versenkt – 150 Schiffe auf dem Meeresgrund. Caine fügte hinzu, die Operation habe mehr als sechs Millionen Mahlzeiten, 950.000 Gallonen Kaffee, zwei Millionen Energydrinks und viel Nikotin verbraucht.
Pete Hegseth geht einen ABC-News-Reporter scharf an, während General Dan Caine ruhig und respektvoll bleibt.
Dan Caine: „Ich habe ehrlich gesagt Mühe zu erkennen, was genau Ihre Frage war – das liegt wahrscheinlich an mir, nicht an Ihnen.“
Pete Hegseth: „Herr Vorsitzender, entschuldigen Sie, das war eher eine Anklage, verpackt als Frage. Sie sind also entschuldigt.“
Journalist: „Kann ich es noch einmal anders formulieren, Sir?“
Pete Hegseth: „Nein! Sie hatten Ihre Chance!“
Journalist: „Ist die Straße von Hormus derzeit offen?“
Dan Caine: „Ich glaube ja, basierend auf den diplomatischen Verhandlungen.“
Hegseth sagte, man beherrsche Irans Luftraum. Zwei amerikanische Kampfjets wurden letzte Woche abgeschossen. Hegseth sagte, Iran habe einmal Glück gehabt in 40 Tagen. Er sagte, das Militär habe seinen Teil getan, vorläufig. Man stehe bereit, erneut anzugreifen, wenn Iran den Waffenstillstand nicht einhalte.

Trump schrieb auf Social Media, die USA würden mit Iran zusammenarbeiten, um das hochangereicherte Uran auszugraben und zu entfernen, das unter gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffen letzten Sommer vergraben worden sei. Iran habe zugestimmt, kein Uran mehr anzureichern. Iran hat das nicht bestätigt. Iran hat nicht gesagt, dass es bei der Bergung des Urans kooperieren werde. Trump hatte Dienstagabend Irans 10-Punkte-Plan als vertretbare Verhandlungsgrundlage bezeichnet. Am Mittwoch deutete er an, nahezu alle Punkte seines eigenen 15-Punkte-Plans seien von Iran akzeptiert worden. Iran hat auch das nicht bestätigt.
Senator Lindsey Graham, einer der lautesten Unterstützer des Krieges, sagte, der Waffenstillstandsvorschlag habe beunruhigende Aspekte. Alles hochangereicherte Uran müsse im Rahmen eines Friedensabkommens aus Iran entfernt und den USA übergeben werden. Er forderte eine gründliche parlamentarische Prüfung des Deals.
Die Golfstaaten wurden nicht zu den Verhandlungen in Islamabad eingeladen, obwohl sie seit Kriegsbeginn täglich unter iranischem Beschuss leiden. Ein Diplomat aus der Region sagte anonym, die arabischen Länder fürchteten, Iran könnte gestärkt aus diesem Krieg hervorgehen. Die Aufhebung von Sanktionen, Einnahmen aus Durchfahrtsgebühren durch die Straße von Hormus – beides Teil von Irans 10-Punkte-Plan. Saudi-Arabien und Kuwait betonten am Mittwoch, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus müsse ohne Einschränkungen möglich sein.
Am selben Morgen fing Saudi-Arabien neun Drohnen ab. Kuwait wurde trotz des Waffenstillstands von 28 iranischen Drohnen angegriffen, drei Strom- und Meerwasserentsalzungsanlagen wurden beschädigt.
Maersk, die dänische Schifffahrtsgesellschaft, teilte mit, man arbeite daran, Klarheit über die Möglichkeiten eines kommerziellen Durchgangs durch die Straße von Hormus zu erlangen. Der Waffenstillstand könnte Durchfahrtsmöglichkeiten schaffen, biete aber noch keine vollständige Sicherheit auf See. Jede Entscheidung zur Durchfahrt werde auf kontinuierlichen Risikobewertungen basieren.
Die Weltgesundheitsorganisation warnte, die Gesundheitssysteme in der Region arbeiteten unter extremer Belastung. Im Iran wurden seit Kriegsbeginn über 33.000 Menschen verletzt, mehr als 2.300 getötet. Im Libanon ist mehr als jeder fünfte Einwohner vertrieben.
Zwei französische Geiseln, Cécile Kohler und Jacques Paris, verließen Iran am Dienstag auf dem Landweg über Aserbaidschan und flogen nach Paris. Kohler, 41, und Paris, 72, waren über drei Jahre in Teherans Evin-Gefängnis inhaftiert, wo viele Dissidenten festgehalten werden. Kohler dankte jenen, die ihre Freilassung aus der Hölle von Evin ermöglicht hatten. Paris sagte, sie seien nicht gebrochen. Sie würden Zeugnis ablegen und das Leben wieder genießen.
Syrien öffnete seinen Luftraum wieder. Der Ölpreis fiel auf etwa 94 Dollar pro Barrel, immer noch deutlich über dem Vorkriegsstand von 72 Dollar. Der S&P 500 stieg um 2,7 Prozent. Der Dow Jones kletterte um 1.350 Punkte.
In Teheran sagen die Menschen, wie lange man schon unter Sanktionen leide und wie wenig das gebracht habe. Das sei eine wertvolle Gelegenheit. Man befinde sich in einer starken Position.
Der UN-Sondergesandte Jean Arnault landete in Iran, um mit iranischen Regierungsvertretern zu sprechen. Papst Leo XIV. nannte den Waffenstillstand ein Zeichen echter Hoffnung und lud zum Friedensgebet am Samstag in den Petersdom ein.

Trump schrieb außerdem, jede Nation, die Iran mit Waffen beliefere, werde sofort mit 50 Prozent Zöllen auf alle in die USA exportierten Waren belegt. Ausnahmen werde es nicht geben. Wie er das durchsetzen will, erklärte er nicht.
Zwei Wochen. Beirut brennt weiter. Und niemand weiß genau, worüber in Islamabad verhandelt wird, weil beide Seiten unterschiedliche Versionen davon haben, was bereits vereinbart ist.

Arabische-Liga-Chef Ahmed Aboul Gheit verurteilte die israelischen Angriffe auf den Libanon und warf Israel vor, den Waffenstillstand zwischen den USA und Iran gezielt zu torpedieren.
Die Angriffe seien barbarisch, verstießen gegen internationales Recht und zeigten, dass Israel weiterhin eine hemmende Rolle bei jeder Annäherung spiele, die zur Stabilisierung der Region beitragen könnte. Libanons Präsident Joseph Aoun nannte die gleichzeitigen Angriffe auf Beirut und andere Landesteile während der Rushhour ebenfalls barbarisch und sprach von einem neuen Massaker. Israel trage die volle Verantwortung. Ganze Gebäude wurden in Wohnvierteln zerstört, Straßen mit Staub und Trümmern bedeckt. Stunden nach den Angriffen suchten Rettungskräfte noch nach Überlebenden, Krankenhäuser riefen zur Blutspende auf.
Trump sagte in einem kurzen Interview, die Gespräche in Islamabad würden sehr bald stattfinden. Steve Witkoff und Jared Kushner würden dabei sein. Die Gespräche in Islamabad sollen am Freitag beginnen. Wir werden von dort berichten. Vance wird möglicherweise nicht dort sein – aus Sicherheitsgründen. Er war am Mittwoch in Budapest, wo er den ungarischen Premierminister Viktor Orbán vor den dortigen Wahlen unterstützte. Kommentar überflüssig.
Das ist der Waffenstillstand.
Update 18:30 Uhr, MEZ
Iran hat die Straße von Hormus als Reaktion auf israelische Angriffe im Libanon erneut gesperrt – nur Stunden nach dem Waffenstillstand. Wir hatten für uns auch vermutet, dass selbst eine Öffnung Monate dauern könnte, bis der Ölfluss zur Normalität zurückkehrt, da viele Reeder angesichts möglicher erneuter Eskalation extrem vorsichtig bleiben würden. Die politische Lage kann sich innerhalb von Stunden ändern, – was sich nun bewahrheitet hat.
Update 18:55 Uhr, MEZ
Washington bestreitet die Schließung, iranisches Staatsfernsehen bestätigt die Schließung.
Journalist: Iranische Staatsmedien berichten, dass Iran heute die Straße von Hormus als Reaktion auf israelische Angriffe im Libanon geschlossen hat.
Leavitt: Ich wiederhole die Erwartung und Forderung des Präsidenten, dass die Straße von Hormus sofort, schnell und sicher wieder geöffnet wird. Ihm wurde privat mitgeteilt, dass genau das geschieht, und die öffentlich kursierenden Berichte sind falsch.
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Es war doch zu erwarten, daß dieser Waffenstillstand nicht das ist, was man als solchen kennt und erwarten dürfte
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