Teheran – Um kurz vor 20 Uhr Ortszeit Washington zog Trump die Hand zurück.
Nicht weil Iran kapituliert hatte. Nicht weil die Brücken standen und die Kraftwerke liefen und die Straße von Hormus offen war. Sondern weil Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef General Asim Munir ihn angerufen hatten, weil die Verhandlungen eine Wendung genommen hatten, weil Iran einen 10-Punkte-Plan vorgelegt hatte, den Trump in einem Social-Media-Posting als vertretbare Grundlage für Verhandlungen bezeichnete.
Irans Außenminister Seyed Abbas Araghchi veröffentlichte eine offizielle Erklärung. Er dankte Premierminister Sharif und Feldmarschall Munir für ihre unermüdlichen Bemühungen. Dann präzisierte er die iranische Position: Der Durchgang durch die Straße von Hormus sei für zwei Wochen möglich – unter Koordination mit Irans Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen. Trump hatte eine vollständige, sofortige und sichere Öffnung gefordert. Araghchi lieferte koordinierten Durchgang mit Vorbehalten. Beide nannten es Waffenstillstand.
Israel hat den Bedingungen des Waffenstillstands ebenfalls zugestimmt, laut einem Vertreter des Weißen Hauses, der anonym sprach – mit Vorbehalten, da Israel nach eigenem Bekunden mehr hätte erreichen wollen. Irans Atombrennstoff liegt noch in den Anreicherungsanlagen. Das Atomprogramm war einer der Hauptgründe, die Israel und die USA für den Kriegsbeginn im Februar angeführt hatten. Es taucht in Trumps Posting vom Dienstagabend nicht mehr auf.
Wie nun bestätigt, 04:45 Uhr MEZ: Benjamin Netanyahu sagt, Israel unterstütze den US-Waffenstillstand mit Iran, doch diese Vereinbarung umfasst nicht die Kämpfe gegen die Hisbollah im Libanon. (Warten wir es ab – Anmerkung der Redaktion)

Trump erklärte auf Grundlage von Gesprächen mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Feldmarschall Asim Munir, die Bombardierung Irans für zwei Wochen auszusetzen – unter der Bedingung, dass Iran die Straße von Hormus vollständig und sofort öffnet. Er bezeichnete einen iranischen 10-Punkte-Plan als tragfähige Verhandlungsgrundlage und behauptete, nahezu alle strittigen Punkte seien bereits vereinbart. Irans Außenminister Seyed Abbas Araghchi akzeptierte den Waffenstillstand im Namen des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, formulierte jedoch eigene Bedingungen: Die Passage durch Hormus sei für zwei Wochen möglich, allerdings nur in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen. Beide Seiten sprachen von einem beidseitigen Waffenstillstand, meinten damit aber erkennbar unterschiedliche Dinge. Trump beanspruchte in seinem Posting, nicht nur im Namen der USA zu handeln, sondern auch in Vertretung der Länder des Nahen Ostens – eine Selbstermächtigung, die ihm niemand erteilt hatte. Pakistan, das die Verhandlungen geführt hatte, lud beide Delegationen für Freitag, den 10. April, nach Islamabad ein.
Zwei Wochen Waffenstillstand. Gespräche in Islamabad ab Freitag. Trump schrieb, fast alle strittigen Punkte seien bereits zwischen den USA und Iran vereinbart. Was genau vereinbart wurde, erklärte er nicht. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat Irans akzeptierte den Waffenstillstand und fügte in seiner Erklärung hinzu: Das bedeutet nicht das Ende des Krieges. Unsere Hände bleiben am Abzug. Sollte der Feind den kleinsten Fehler begehen, wird er mit voller Kraft beantwortet.
Zwei Stunden zuvor hatte Trump geschrieben, eine ganze Zivilisation werde diese Nacht sterben, wenn keine Einigung erzielt werde. Dann erzielt er eine Einigung. Dann sterben keine Zivilisationen. Bis zum nächsten Posting.
Seit Kriegsbeginn hat Trump mehrfach Fristen gesetzt, sie kurz vor Ablauf verlängert oder zurückgenommen hat. Die Frist vom Montag. Die Drohungen gegen Kraftwerke und Brücken. Die Ankündigung, vier Stunden reichten, um Iran in Schutt zu legen. Alles zurückgenommen, verschoben, neu verpackt. Seine Kritiker nennen das seit Monaten TACO – Trump zieht immer zurück. Es ist kein Vorwurf, es ist eine Beobachtung, die sich wiederholt.
Was in den Stunden vor dem Rückzug passiert war, lässt sich nicht wegdiskutieren.
Israel hatte Brücken und Bahnlinien angegriffen, die nach eigenen Angaben für den Transport iranischer Waffen und Militärausrüstung genutzt wurden. Die USA hatten Militäranlagen auf Kharg Island getroffen sowie Irans zwei größte petrochemische Zentren in Mahshahr und Asaluyeh. Ein amerikanischer Regierungsvertreter sagte, diese Angriffe seien eine Botschaft an Teheran gewesen – ein Vorgeschmack auf das, was käme, sollte Trump seine Drohungen wahrmachen. Israel war skeptisch, ob der scheinbare Durchbruch halten würde.


In Abu Dhabi stand die Gasverarbeitungsanlage Habshan in Flammen, nachdem iranisches Feuer gemeldet worden war. Saudi-Arabien fing sieben ballistische Raketen und vier Drohnen ab. Iran beschoss Israel und Saudi-Arabien. Und auch nach der Waffenstillstandsankündigung heulten Raketenalarme in Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Kuwait. Die Revolutionsgarden haben im Verlauf dieses Krieges weitgehend eigenständig entschieden, was sie wann angreifen. Ob sie die politische Entscheidung zum Waffenstillstand sofort umsetzen, war in den frühen Morgenstunden nicht klar.
Teheran hatte den Dienstag anders erlebt als die Ankündigungen vermuten ließen.
Menschen bildeten Menschenketten, freiwillig, oder auch unfreiwillig, um Kraftwerke, um sie mit ihren Körpern zu schützen. Hunderte versammelten sich an Brücken und an einer Anlage weit außerhalb der Hauptstadt, iranische Fahnen in den Händen. Iranischer Präsident Masoud Pezeshkian sagte, 14 Millionen Menschen hätten sich angeblich als Freiwillige gemeldet, falls es zu einer Bodeninvasion käme. Eine Lehrerin in Teheran sagte, viele Gegner des islamischen Systems hätten anfangs gehofft, Trumps Angriffe würden das Regime schnell stürzen. Diese Hoffnung sei längst verblasst. Was bleibe, sei die Angst, ohne Strom, ohne Wasser, ohne Gas dazustehen. Zurück in die Steinzeit, wie Trump selbst es formuliert hatte.

Ein Angriff hatte die Khorasaniha-Synagoge in Teheran zur Hälfte zerstört und umliegende Wohngebäude beschädigt. In Minab gedachten Menschen der Schulkinder, die am ersten Kriegstag, dem 28. Februar, bei einem Angriff auf eine Schule getötet worden waren. Ein Mädchen stand neben einer Nachbildung eines Raumfahrzeugs, das als Teil des Gedenkens aufgestellt worden war.
Mehr als 1.900 Menschen sind im Iran seit Kriegsbeginn gestorben. Die Regierung hat die Zahlen seit Tagen nicht mehr aktualisiert. Im Libanon sind über 1.500 Menschen getötet worden, mehr als eine Million Menschen vertrieben. In Israel starben 23 Menschen durch iranische Angriffe, 13 amerikanische Soldaten sind gefallen.
Irans 10-Punkte-Plan enthält Forderungen, die weit über einen Waffenstillstand hinausgehen. Kontrolle über die Straße von Hormus, beschrieben als regulierter Durchgang unter Koordination der iranischen Streitkräfte – was Iran nach eigenen Worten eine einzigartige wirtschaftliche und geopolitische Stellung verleihen würde. Vollständige Aufhebung der Sanktionen. Freigabe eingefrorener Vermögenswerte. Abzug amerikanischer Kampftruppen aus allen Stützpunkten und Einsatzorten in der Region. Das wäre, wenn es so käme, eine vollständige Neuordnung der amerikanischen Präsenz im Nahen Osten, die seit dem Golfkrieg 1991 besteht.
Das Weiße Haus beantwortete keine Fragen dazu, was Trump genau mit „vertretbarer Grundlage“ meinte. Pressesprecherin Karoline Leavitt sagte, Trumps Worte sprächen für sich. Die Verhandlungen würden fortgesetzt.
Papst Leo XIV. nannte Trumps Drohungen am Dienstag völlig inakzeptabel. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot sagte, Angriffe auf zivile und Energieinfrastruktur könnten Kriegsverbrechen darstellen. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich tief beunruhigt. Trump sagte, das besorge ihn überhaupt nicht.
China, Irans größter Handelspartner, hatte hinter den Kulissen Druck auf Teheran ausgeübt, einen Weg zum Waffenstillstand zu finden. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning sagte öffentlich, alle Seiten müssten Ernsthaftigkeit zeigen und diesen Krieg schnell beenden, der von Anfang an nicht hätte passieren dürfen.

Die Gespräche sollen am Freitag in Islamabad beginnen. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lud beide Delegationen offiziell ein, am 10. April nach Islamabad zu kommen, um über ein abschließendes Abkommen zur Beilegung aller Streitigkeiten zu verhandeln. Weder die USA noch Iran haben die Einladung öffentlich bestätigt.
Zwei Wochen. Dann sehen wir weiter.
Wenn überhaupt.
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Wie ich es schon mehrfach gesagt habe.
Trump droht und eskaliert.
Hat Forderungen.
Setzt Fristen.
Fristen wurden immer wieder verschoben, verlängert, ausgesetzt.
Von den ursprünglichen Forderungen bleibt in der Regel nicht viel übrig.
Truth Social Posting über Gespräche, die nie statt gefunden haben.
Posting über greifbare Einigungen.
Und natürlich über Allem, dass ER der Gewinner ist.
Das stimmt auch.
Aber anders, als er es darstellt.
MAGA ist so dumm und glaubt, ihm das Mädchen vom tatalitären Sieg über den Iran.
Letztlich ging es um Gewinne.
Trump bespielt mit seinen Aktionen den Aktienmarkt.
Wer rechtzeitig den nächsten Schritt kennt, kann an den Aktienmärkten extrem viel Verdienen.
Geld über Moral und Menschenleben.
Ganz nach Trumps Gusto und der Wegvon Project 2025.
Ganz schnell werden die kritischen Stimmen gegen Trump in den USA verstummen.
Die Republikaner werden es als absoluten genial Schachzug verbreiten und wieder mit dem Finger auf die „unfähigen“ Demokraten zeigen. Die nur gegen Trump western, woke und linke Irre sind. Die die „Genialität“ von Trump nicht ertragen können (Ironie)
Mal sehen, wer jetzt Trump von des westlichen Staatschefs als erstes in den Hintern kriecht.
Das Schweigen zum angekündigten Genozid löste ja nur Schweigen aus. 😞
Euch eine hoffentlich sichere Ausreise ❤️