Teheran – Donald Trump schrieb am Dienstagmorgen auf Truth Social: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren.“ Er fügte hinzu, er wolle das nicht, aber es werde wahrscheinlich passieren. Die Welt schweigt. Zwölf Stunden vor Ablauf seines eigenen Ultimatums. Stunden später bestätigte Vizepräsident JD Vance bei einer Pressekonferenz in Budapest, dass die USA Kharg Island – Irans wichtigsten Ölumschlagplatz – erneut angegriffen haben. „Ich glaube, wir haben das getan“, sagte Vance, als wäre es eine Routinefrage. Er zeigte sich zuversichtlich, bis 20 Uhr Ortszeit eine Antwort Teherans zu erhalten, ob positiv oder negativ. „Ich hoffe, sie sind klug“, sagte er.

Während Trump und Vance reden, versuchen Tausende Iraner das Land zu verlassen. Seit die Flughäfen geschlossen sind, fahren sie mit Zügen, Bussen und gemieteten Taxis Richtung türkische Grenze. Die Züge für diese Woche waren ausgebucht. Ein Teheraner, der es bereits über die Grenze geschafft hatte, erzählte, er habe sich ein Taxi für 880 Kilometer bis zur Grenze gemietet. Er plante, nach einigen Monaten zurückzukehren.

In Teheran sind Menschen mit Schildern auf der Straße, auf denen steht: „Infrastruktur ist kein Schlachtfeld. Sie ist das Rückgrat des zivilen Lebens.“ Manche dieser Proteste sind echt, manche staatlich organisiert – in Iran ist diese Grenze seit Jahrzehnten fließend. Saudi-Arabien meldete unterdessen, in den vergangenen Stunden vier Drohnen abgefangen zu haben. Israel warnte vor dem vierten Raketenbeschuss des Tages. Auf Irans Eisenbahnnetz schlugen Bomben ein.
Mahmoud, 35, trägt Milch und Kartoffeln nach Hause und sagt, er habe sich von Trump etwas Ausgefalleneres erhofft als die Hölle. Dann lacht er kurz und fügt hinzu, dass die Hölle in Iran ohnehin seit Jahren Dauerzustand sei – durch Sanktionen, Attentate, Krieg. Die Hölle werde also durch die Hölle ersetzt. Maryam Mehrabi, 67 Jahre alt und Rentnerin, zählt ruhig auf: der Krieg der 1980er Jahre, als Irak Iran angriff, dann der Krieg im Juni, bei dem sie eine enge Freundin verlor, und jetzt das hier. Sie sagt, sie habe keine Ahnung, was als nächstes kommt. Ein junges Paar in einem Café in Teheran, das seinen Namen nicht nennen will, beschreibt den Alltag so: Nachts Einschläge und Explosionen, tagsüber immer mehr Checkpoints auf den Straßen. Der Mann sagt, er fühle sich wie zwischen den Klingen einer Schere. Seit über einem Monat gibt es kein Internet, bald droht der Stromausfall.

Während diese Menschen reden, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Mizan, dass ein Luftangriff auf die Provinz Alborz nordwestlich von Teheran mindestens 18 Menschen getötet und 24 weitere verletzt hat. Was genau getroffen wurde, ist zunächst unklar. Seit Wochen erschüttern Angriffe Teheran und Umgebung, darunter ein mögliches Waffenlager in den Bergen und Wohnviertel.
Dann warnte Israels Militär die iranische Bevölkerung, aus Sicherheitsgründen keine Züge mehr zu benutzen. Die letzte Fluchtoption wird damit mutwillig versperrt. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu bestätigte eben, dass israelische Kampfflugzeuge Brücken und Eisenbahnlinien im Iran angegriffen haben. In einer Erklärung seines Büros behauptete er, die Iranischen Revolutionsgarden hätten diese Infrastruktur genutzt, um Material für die Waffenproduktion zu transportieren. Die Angriffe seien nicht gegen die iranische Zivilbevölkerung gerichtet, sondern gegen das Regime – so Netanyahu, der die Strikes gemeinsam mit Verteidigungsminister Israel Katz genehmigt hatte. „Das ist nicht mehr dasselbe Iran, und das ist nicht mehr dasselbe Israel. Wir verschieben das Kräfteverhältnis von einem Ende zum anderen“, sagte er. Was er nicht sagte: Brücken und Bahnstrecken benutzen die Menschen die dort leben, die zur Arbeit fahren, die fliehen möchten.

Das iranische Regime ist in seiner Behandlung der eigenen Bevölkerung seit Jahrzehnten brutal – das ist keine Meinung, sondern dokumentierte Tatsache. Aber die Begründung dieses Krieges, die Geheimdienstunterlagen, auf die er sich stützt, sind entweder veraltet oder falsch. Und der Gedanke, man befreie die iranische Zivilbevölkerung, indem man ihre Kraftwerke, Brücken und Bahnstrecken zerstört, ist keine Strategie – er ist eine Lüge, die sich niemand mehr laut auszusprechen traut. Die Zivilbevölkerung ist nicht das Ziel der Befreiung. Sie ist der Preis, den beide Seiten bereit sind zu zahlen.
Fortsetzung folgt …
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Trump ist Immobilienentwickler. Wenn alles zerbombt ist, kann er es nach seinem Gusto aufbauen. Ähnlich wie es in Gaza geplant ist. 😵💫
….ist was dran
Ich mag mir gar nicht vorstelle, wie es sich in diesem Hexenkessel anfühlen muß
…sei froh, nicht gut
Trump und Netanyahu eskalieren ohne Ende.
Reden sich selber ein, dass „sie keine zivilen Infrastrukturen angreifen“ und Trump „das ja eigentlich gar nicht will“.
Denken die Beiden, dass man ihnen das wirklich abkauft?
Wahrscheinlich.
Denn die Welt schweigt.
Schweigt zu einem angekündigten Genozid. 😞
Ja. Das ist das Unglaubliche, Ungeheuerliche. Wenn sich die EU, Kanada und Großbritannien klar positionieren und massive Wirtschaftssanktionen ankündigen würden falls er nicht einlenkt, bestünde evtl. eine Chance, das zu verhindern. Aber auch nur eventuell. Wir haben es hier mit einem bösartigen, narzisstischen ind soziopathischen Kleinkind zu tun. Da ist alles möglich.
👍
…die reaktion der restlichen welt ist schockierend
Ich hoffe Trump drückt nicht den Knopf…Es wird so schon schlimm genug. Ich kann seit Sonntag schon nur noch zittern. Und bislang habe ich noch keinen Stop aus unseren Medien und aus der EU gehört. Ich hoffe Du und Deine 2 Kollegen seid morgen noch unversehrt. Und ich denke an die unschuldigen Menschen und bin fassungslos.