Wenn Generäle Nein sagen

VonRainer Hofmann

April 7, 2026

Der pensionierte US-General Mark Hertling saß am Montagabend im Podcast „Deadline: White House“ auf MSNBC und sagte etwas, das in normalen Zeiten undenkbar gewesen wäre: Aktive Militärkommandeure denken darüber nach, Befehle ihres Oberbefehlshabers Donald Trump zu verweigern.

Nicht aus Illoyalität. Sondern aus Pflicht.

Mark Hertling ist ein ehemaliger Lieutenant General der US Army mit über 35 Jahren Dienst und gehörte zu den ranghohen Kommandeuren der US-Streitkräfte in Europa. Er leitete unter anderem US Army Europe. Hertling erklärte, wie er 40 Jahre lang als Soldat und Kommandeur ausgebildet wurde – und wie in dieser Ausbildung drei Loyalitäten nebeneinander existieren: zur Verfassung, zu den Vorgesetzten, zu den eigenen Soldaten. Drei Treuegelöbnisse, die meistens zusammenpassen. Und manchmal nicht.

„Wenn sie anfangen, rechtswidrige Befehle zu geben, findet man einen Weg, zurückzudrängen“, sagte Hertling. „Du kannst keinen rechtswidrigen Befehl befolgen. Du kannst keine Dinge anordnen, von denen du weißt, dass sie absolut falsch sind.“

Was Trump konkret gesagt hat, ist nicht schwer zu finden. Er hat Iran ein Ultimatum gestellt: Bis Dienstagabend 20 Uhr Ostküstenzeit soll die Straße von Hormuz wieder geöffnet sein – sonst drohe die „vollständige Zerstörung“. Brücken, Kraftwerke, zivile Infrastruktur. „Ich meine komplette Demontage“, sagte Trump. Sie würden Iran „in die Steinzeit zurückbomben.“

Auf Truth Social formulierte er es so, wie er es halt formuliert: „Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben.“

Das ist kein Politikstil. Das ist ein Problem.

Denn Angriffe auf zivile Infrastruktur – Kraftwerke, Wasserversorgung, Brücken ohne militärischen Zweck – verstoßen gegen die Genfer Konventionen. Die USA haben diese Konventionen unterzeichnet. Soldaten, die solche Befehle ausführen, machen sich nach internationalem Recht strafbar. Soldaten, die solche Befehle erteilen, auch.

Hertlings Aussage ist deshalb so bedeutsam, weil sie zeigt, wie weit die Situation bereits eskaliert ist – nicht nur diplomatisch, sondern innerhalb des amerikanischen Militärapparats selbst. Wenn ein ehemaliger General öffentlich darüber spricht, dass aktive Kommandeure über Befehlsverweigerung nachdenken, dann hat das jemand ihm gesagt. Oder er weiß es aus eigener Erfahrung in diesen Netzwerken.

Das Weiße Haus hat auf eine Anfrage bisher nicht geantwortet.

Trump selbst, auf einer Pressekonferenz am Montag nach seiner Haltung zu dem Konflikt befragt, sagte: „Gott mag nicht, was hier passiert. Ich mag es auch nicht.“ Er behauptete, er genieße diesen Krieg nicht. Auf die Frage, ob Gott den Krieg billige, antwortete er schlicht: „Ja.“

Großbritannien hat unterdessen klargemacht, dass seine Stützpunkte nicht für einen Angriff auf Iran genutzt werden dürfen. Premierminister Keir Starmer hat das direkt kommuniziert.

Das ist die Lage am Dienstag, dem 7. April 2026: Ein amerikanischer Präsident droht einem Land mit der Steinzeit. Sein eigenes Militär zweifelt, ob es ihm folgen darf. Ein Verbündeter verweigert ihm die Basis. Und die Straße von Hormuz – durch die ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels fließt – bleibt blockiert.

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Rainer Bielefeld
2 Tage vor

Da hat er Recht! Zu meiner Zeit beim Militär nannte man diese Denkweise Bürger in Uniform – heute auch noch. E gibt keine absolute Pflicht, Befehlen zu gehorchen, die eindeutig einen schwerwiegenden Rechtsverstoß darstellen. Sondern sogar die Pflicht, dagegen anzugehen.
Gilt heute noch!

Lea
Lea
1 Tag vor
Antwort auf  Rainer Bielefeld

Rein hypothetisch: Was, wenn gegen solche „Befehlsverweigerer“ Anklage vor einem bspw. Trump (oder Putin) genehmen Militärgericht erhoben wird? Riskieren sie nicht ihr eigenes Leben?

Rainer Bielefeld
1 Tag vor
Antwort auf  Lea

Für Soldaten gehört es irgendwie schon dazu, auch mal sein Leben zu riskieren …

Aber Du hast natürlich Recht, in einem Diktatorisch regierten Unrechtsstaat ist solches Handeln sehr riskant.

Patricia
Patricia
1 Tag vor

Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Ein Traum. Räumt nicht die US-Verfassung genau dieses Recht ein? Das der Befehlsverweigerung, wenn Befehle unter die Begriffe „Kriegsverbrechen“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ fallen? Noch sind die USA eine selbstempfundene Autokratie, keine wirkliche Diktatur. Jedenfalls theoretisch nicht. Und man könnte nicht alle Soldaten aus dem Dienst entlassen (oder Schlimmeres), wenn sie alle den Befehl verweigern, weil der Befehl gegen bestehendes Recht verstößt. Aber das Heer ist auch nur ein Querschnitt der amerikanischen Bevölkerung. Und die steht eben immer noch zu einem wesentlichen Teil unkritisch ihrem Chef-Wahnsinnigen gegenüber.

Ela Gatto
1 Tag vor
Antwort auf  Patricia

Leider sind gerade im Militär überproportional viele Republikaner.
Auch bei den Veteranen und den Law Enforcement im Allgemeinen.

Trump und Hegseth haben die Truppe schon gut „gesäubert“.
Im aktiven gehobenen Dienst finden sich kaum noch Trump Kritiker.

Ela Gatto
1 Tag vor

Bisher sprechen nur pensionierte ranghohe Militärmitglieder.

Keine Aktiven.

Ob es wirklich zu einer kollektiven Verweigerung im Militär kommen wird?
Ich glaube es nicht

Ob es zu diesem grausamen Angriff auf den Iran kommen wird?
Ich weiß es nicht.

Trump hat schon oft Fristen verlängert.
Mal mit Pomp, manchmal auch stillschweigend.

Heute Nacht werden wir es erfahren.

Bitte passt auf Euch auf!

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