Der Sturz des Bruders – Wie Andrew Mountbatten-Windsor die Krone ins Wanken bringt

VonRainer Hofmann

Februar 21, 2026

Der Bruder des Königs wird festgenommen. Polizeibeamte durchsuchen zwei royale Anwesen. Fernsehsender diskutieren pausenlos über Sexskandal, Handelskontakte und einen Toten in einer New Yorker Gefängniszelle. Und während das Land auf Bildschirme starrt, sitzt Charles III in der ersten Reihe der London Fashion Week. Königin Camilla besucht ein Konzert. Prinzessin Anne fährt in ein Gefängnis. Der Betrieb läuft weiter, als wäre nichts geschehen. Doch geschehen ist etwas Historisches.

Andrew Mountbatten-Windsor wurde am 19.2. kurzzeitig festgenommen

Andrew Mountbatten-Windsor, bis Oktober noch als Prinz Andrew bekannt, wurde elf Stunden lang festgehalten und anschließend unter Ermittlungen wieder entlassen. Der Vorwurf: Fehlverhalten im öffentlichen Amt. Konkret geht es um den Verdacht, er habe als britischer Sondergesandter für internationalen Handel vertrauliche Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben. Epstein nahm sich 2019 in einer Gefängniszelle in New York das Leben. Die Ermittler müssen nun beweisen, dass Mountbatten-Windsor tatsächlich als Amtsträger handelte und bewusst gegen seine Pflichten verstieß – also das Vertrauen der Öffentlichkeit missbrauchte. Das ist juristisch kein kleiner Schritt. Aber politisch ist der Schaden längst da.

ROYAL COMMUNICATIONS
Donnerstag, 19. Februar 2026

EINE ERKLÄRUNG SEINER MAJESTÄT DES KÖNIGS

Mit tiefster Besorgnis habe ich die Nachricht über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt zur Kenntnis genommen. Nun folgt der vollständige, faire und ordnungsgemäße Ablauf, in dem diese Angelegenheit in angemessener Weise und durch die zuständigen Behörden untersucht wird. Dabei, wie ich es zuvor bereits gesagt habe, haben sie unsere volle und uneingeschränkte Unterstützung und Zusammenarbeit.

Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.

Solange dieses Verfahren andauert, wäre es für mich nicht angemessen, mich weiter zu dieser Angelegenheit zu äußern. In der Zwischenzeit werden meine Familie und ich unseren Pflichten und unserem Dienst für Sie alle weiterhin nachkommen.

Charles R.

Der König sah sich gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen. In einer knappen Erklärung versprach er Unterstützung für die Ermittlungen und schrieb unterzeichnet mit „Charles R.“ – Rex, König –, seine Familie werde weiterhin Dienst leisten. Allein diese Erklärung zeigt, wie ernst die Lage ist. Kommentatoren suchten nach historischen Vergleichen und landeten nicht in den letzten Jahrzehnten, sondern im 17. Jahrhundert bei der Verhaftung und Hinrichtung von Charles I of England. So weit muss man zurückgehen, um eine ähnliche Erschütterung zu finden. Realistischer ist der Vergleich mit 1936: Damals dankte Edward VIII ab, um Wallis Simpson zu heiraten. Die Monarchie taumelte. Erst unter George VI stabilisierte sie sich wieder – weil er im Krieg im Land blieb und nicht floh.

Andrew Mountbatten-Windsor

Heute gibt es keinen klaren Ausweg. Edward trat zurück, die Sache war entschieden. Im Fall Andrew ist nichts entschieden. Die Ermittlungen laufen. Mindestens acht Polizeibehörden prüfen Vorgänge rund um die nun veröffentlichten Akten aus den USA. Der britische Staat erwägt sogar, ihn formell aus der Thronfolge zu streichen. Noch steht er an achter Stelle. Das kann nur durch ein Gesetz geändert werden. Der Druck endet nicht bei ihm. Die unangenehme Frage steht im Raum: Wer wusste was – und wann? Wurden während seiner zehn Jahre als Handelsgesandter Warnungen ausgesprochen? Hat jemand reagiert? Oder wollte niemand es genau wissen?

Andrew Mountbatten-Windsor, Jeffrey Epstein

Der Palast hat versucht, eine klare Trennlinie zu ziehen. Titel aberkannt. Militärische Ehren gestrichen. Kein „Prinz“ mehr. Doch Blut bleibt Blut. Die Öffentlichkeit unterscheidet nicht fein zwischen Institution und Familie. Der letzte große Moment, in dem die Krone lernte, wie verletzlich sie ist, war nach dem Tod von Diana, Princess of Wales. Damals reagierte der Hof zu langsam auf die Trauerwelle. Zehntausende legten Blumen vor Kensington Palace nieder. Der Vorwurf lautete, die Familie verstehe das Land nicht mehr. Erst danach begann ein vorsichtiger Kurswechsel. Mehr Nähe. Mehr Offenheit.

Der Künstler Kaya Mar präsentiert vor dem Buckingham Palace in London die neueste Ausgabe seiner Gemälde vor Medienvertretern, am Freitag, 20. Februar 2026. Anlass ist die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor, der am Vortag mehrere Stunden von der britischen Polizei wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt im Zusammenhang mit seinen Verbindungen zu Jeffrey Epstein festgehalten worden war.

Doch 2026 ist nicht 1997. Die Medienlandschaft ist schneller, härter, gnadenloser. Dokumente werden veröffentlicht, analysiert, zerlegt. Forderungen nach Transparenz sind keine höflichen Bitten mehr. Sie sind Dauerzustand. Für Charles III ist das eine doppelte Bewährungsprobe. Er ist der erste Monarch, der sich nicht auf Ehrfurcht verlassen kann. Er muss erklären. Reagieren. Vertrauen aktiv verteidigen. Das beste Szenario für das Haus Windsor wäre eine eng begrenzte strafrechtliche Klärung, die sich ausschließlich auf konkrete Dokumente bezieht. Das schlechteste wäre eine Ausweitung der Ermittlungen auf das Umfeld – auf Mitarbeiter, Berater, Strukturen.

Die Monarchie hat Krisen überlebt. Abdankungen. Kriege. Scheidungen. Skandale. Aber selten stand sie unter dem Druck, sich gleichzeitig juristisch, moralisch und institutionell zu rechtfertigen. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob Andrew schuldig ist. Die entscheidende Frage lautet, ob die Krone beweisen kann, dass sie nichts vertuscht hat. Und noch eine Frage bleibt im Raum, unausgesprochen, aber drängend:

Gibt es weitere Akten?

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Ela Gatto
Ela Gatto
8 Stunden zuvor

Sehr interessante Informationen.

Andrew bleibt ein Bruder, ein Vater, ein Onkel.

Aber zum Schutz der Monarchie und um ein klares Signal zu senden -bevor die Ermittlungen boch mehr answer Licht bringen- wäre es mehr wie sinnvoll Andrew aus der Thronfolge zu entfernen.

Das gab es noch nie.
Aber würde zeigen, dass „blaues Blut“ kein Freifahrtschein ist und die Krone sein Verhalten nicht toleriert.

Zu lange standen die Queen und Charles hinter Andrew.
Was genau sie wann wussten?
Vielleicht kommt es ans Licht.

King Charles wird diesen Makel nicht los.
Viele Engländer betrachten ihn nicht als „ihren König“.

Eine Übergabe an Prinz William wäre eine Option.
Ein kompletter Schlusstrich.

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