Was sich anhörte wie die gesamte Halle, stoppte für einen Moment das Spektakel. Noch bevor der erste Schlag im Main Event von AEW Dynamite gesetzt war, hallte ein geschlossener Ruf durch die Arena in Las Vegas: „Fuck ICE! Fuck ICE!“ Laut, langgezogen, nicht zu überhören. Die Live-Übertragung lief auf TBS und HBO Max, die Kameras waren drauf, und der Chor kam nicht von einer kleinen Gruppe, sondern aus weiten Teilen des Publikums. Im Ring standen Maxwell Jacob Friedman, bekannt als MJF, und Brody King. MJF blickte sichtbar irritiert in die Kamera, die Augen weit offen, dann suchte er mit dem Blick die Ränge ab. King, in der gegenüberliegenden Ecke, schaute ins Publikum und nickte. Der Moment gehörte nicht dem Titelkampf, sondern der Stimmung im Saal.
Las Vegas ist eine Stadt mit starkem lateinamerikanischem Bevölkerungsanteil, fast 35 Prozent der Einwohner sind hispanisch oder lateinamerikanisch. All Elite Wrestling hat in den vergangenen Jahren gezielt Luchadores aus Mexiko eingebunden und damit auch ein wachsendes Latino-Publikum angesprochen. In einer Stadt, in der Einwanderung kein abstraktes Thema ist, sondern Alltag, traf der Ruf gegen die Einwanderungsbehörde ICE einen Nerv. Brody King hatte sich bereits in den Wochen vor dem „World Championship Eliminator Match“ klar positioniert. Er veröffentlichte gemeinsam mit Künstlern und einer Druckerei ein T-Shirt mit der Aufschrift „Abolish ICE“ und sammelte damit fast 59.000 Dollar für die Minnesota Rights Action Committee, die unter anderem lateinamerikanische und somalische Communities unterstützt. Auf X bedankte er sich bei den Käufern und schloss seinen Beitrag mit den Worten „Fuck ICE“. Schon im Vorjahr war er bei „Grand Slam Mexico“ mit einem entsprechenden Shirt aufgetreten und hatte danach ein weiteres Modell zugunsten einer gemeinnützigen Organisation in Kalifornien aufgelegt.

King MJF siegte schnell und sicherte sich die Chance, am 14. Februar bei „Grand Slam Australia“ um den Titel anzutreten. Doch in Erinnerung bleiben dürfte weniger der sportliche Ausgang als der Moment davor. Eine Wrestling-Show, die für viele Eskapismus bedeutet, wurde für Sekunden zu einem politischen Ventil. Anfragen an AEW, die U.S. Customs and Border Protection und das Department of Homeland Security blieben zunächst unbeantwortet. In der Arena jedoch war die Botschaft klar formuliert – nicht als Einzelstimme, sondern als kollektiver Ruf, der das Geschehen im Ring kurz übertönte.
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Klasse! Richtig klasse!
Dank an die mutigen Zuschauer und auch an King.
Ein klares Statement, das hoffentlich noch lange nachhalt und die Leute motiviert sich weiter gegen ICE und die Trump Regierung zu stellen.
Leider ist zu befürchten, dass Noem ihre Behörde anweisen wird, die Fernsehaufnahmen auszuwerten, wer da „Anti Trump“ ist.