In Washington wird selten so offen über ein Scheitern gesprochen wie in diesen Tagen. Die Forderung, dass Kristi Noem ihr Amt räumen muss, kommt nicht aus einer Ecke, nicht aus einer Parteizentrale, nicht aus der üblichen Lautstärke der politischen Ränder. Sie kommt aus der Mitte des Kongresses, aus Bürgerrechtsorganisationen, der Waffenlobby, aus Reihen, die sonst abwägen, schweigen, verschieben. Zwei Tote in Minneapolis haben eine Schwelle überschritten, hinter der Beschwichtigungen nicht mehr tragen.

Alex Pretti und Renee Good starben bei Protesten gegen Abschiebungen. Was folgte, war kein Innehalten, keine erkennbare Selbstprüfung im Heimatschutzministerium, sondern ein öffentlicher Auftritt der Ministerin, der die Lage weiter eskalierte. Noem sprach von Angriffen auf Beamte, sie erklärte die Umstände eines tödlichen Polizeieinsatzes zum inländischen Terrorismus. Diese Worte standen schnell im Widerspruch zu Videos, Zeugenaussagen und Abläufen vor Ort. Genau dort begann der politische Schaden.

Führende Demokraten im Repräsentantenhaus erklärten, das Land sei angewidert von dem Vorgehen des Ministeriums. Sie forderten Noems sofortige Entlassung und kündigten ein Amtsenthebungsverfahren an, sollte dies nicht geschehen. Entscheidend ist weniger die Drohung selbst als die Selbstverständlichkeit, mit der sie ausgesprochen wurde. In einem von Republikanern dominierten Haus galt ein solcher Schritt lange als symbolisch. Nun wird er als reale Option diskutiert.

Auch auf republikanischer Seite bröckelt der Rückhalt. Viele Senatoren sagten offen, das Verhalten der Ministerin in Minnesota sei nicht tragbar gewesen. Andere formulierten vorsichtiger, aber selbst diese Zurückhaltung markiert einen Bruch. Wenn Senatoren öffentlich sagen, der Präsident müsse sich ansehen, wen er an die Spitze des Heimatschutzes gestellt hat, ist das mehr als parteiinterne Unruhe. Noems Rolle innerhalb der Trump-Regierung verschärft diese Lage. Sie ist nicht irgendeine Ressortchefin, sondern das Gesicht einer aggressiven Abschiebepolitik, die bewusst auf Sichtbarkeit setzt. Ihr Auftreten, ihre Nähe zu den operativen Kräften vor Ort, ihre Loyalität gegenüber Grenzschutz und Einsatzleitungen waren Teil dieser Strategie. Doch genau diese Nähe wurde ihr nun zum Problem. Nachdem der Grenzschutzchef Greg Bovino aus dem Minnesota-Einsatz abgezogen wurde und Tom Homan die Kontrolle übernahm, stand Noem in Washington plötzlich allein da.

Donald Trump hält öffentlich noch an ihr fest. Er beantwortete die Frage nach einem Rücktritt mit einem knappen Nein, lobte die angeblich geschlossene Grenze und sprach von Erfolg. Diese Verteidigung folgt einem bekannten Muster: Loyalität nach innen, Abwehr nach außen. Doch innerhalb der eigenen Partei wird inzwischen offen darüber gesprochen, dass dies kein gewöhnlicher Konflikt mehr ist.

„Ich hasste diesen Hund“ – Die Geschichte von Kristi Noem und der Erschießung von Cricket
Es ist eine Geschichte, die klingt wie aus einem düsteren Südstaatenroman – doch sie stammt aus der Feder einer Politikerin, die sich selbst als „unerschütterliche Patriotin“ inszeniert und bis vor Kurzem als aussichtsreiche Vizepräsidentschaftskandidatin Donald Trumps galt. In ihrem Buch No Going Back, erschienen 2024, erzählt Kristi Noem mit verblüffender Kälte, wie sie ihre 14 Monate alte Jagdhündin Cricket erschoss. Der Vorfall, ursprünglich offenbar als Anekdote über „harte Entscheidungen auf dem Land“ gedacht, entwickelte sich rasch zu einem Polit-Skandal mit internationaler Tragweite. Laut Noems Darstellung hatte Cricket während einer Fasanenjagd die Kontrolle verloren, mehrere Hühner getötet, ein anderes Tier gejagt und sie selbst gebissen. Für die damalige Gouverneurin von South Dakota war das offenbar Grund genug, den Hund zur nahegelegenen Kiesgrube zu führen, ihn zu erschießen – und später zu schreiben: „Ich hasste diesen Hund.“ Nicht nur die Tat selbst, sondern auch die lakonische Sprache, mit der sie sie beschreibt, ließ bei vielen Lesern Entsetzen aufkommen. Noch verstörender: In derselben Passage gibt Noem an, unmittelbar danach auch einen Ziegenbock getötet zu haben, der ihren Kindern zu aufdringlich gewesen sei. Der Bock habe den ersten Schuss überlebt, worauf sie nachgeladen und erneut geschossen habe. Ort der Exekution: ebenfalls die Kiesgrube.
Parallel dazu wächst der Druck im Kongress. Die zuständigen Ausschüsse verlangen Aufklärung, Anhörungen, konkrete Antworten. Bilder von Einsätzen, bei denen Kinder aus Familien gerissen wurden, darunter ein fünfjähriges Kind, haben eine Debatte ausgelöst, die sich nicht mehr auf Paragrafen oder Zuständigkeiten beschränken lässt. Es geht um Verantwortung, um Entscheidungswege, um politische Kultur.

Der Mehrheitsführer im Senat sprach von einem Punkt, an dem geprüft werden müsse, wie Politik umgesetzt wird und welche Folgen sie hat. Er wich der Frage nach persönlichem Vertrauen aus und verwies auf den Präsidenten. Auch das ist bezeichnend. Wenn Verantwortung nach oben delegiert wird, bedeutet das meist, dass unten etwas nicht mehr zu halten ist.
Kristi Noems Zukunft ist damit offen. Nicht, weil ein Verfahren bereits entschieden wäre, sondern weil die politische Isolation sichtbar geworden ist. Minneapolis war der Moment, in dem sich Worte, Bilder und Entscheidungen gegenseitig widerlegten. Und es war der Moment, in dem Washington begann, laut auszusprechen, was zuvor nur hinter verschlossenen Türen gesagt wurde.
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Solche Menschen sollten NIE in Positionen gelangen, in den Wohl und Wehe von Menschen von ihnen abhängt. Bei uns dürfte sie wahrscheinlich nie wieder einen Hund halten, zu Recht.
So lange Trump seine Hand über sie hält, wird sie den Posten behalten.
Ihre Loyalität ist grenzenlos und so lange Trump niemand Anderen für den Posten im Sinn hat, wird er sie nicht entlassen.
Impeachment… selbst wenn genug Stimmen zusammen kommen (was sehr fraglich ist), kann Trump nicht dagegen ein Veto einlegen?
Da weißt Du sicher mehr Rainer
Solche abgrundtiefen bösen Frauen waren die „effektivsten“ 😟 Aufseherinnen in den KZ…..
Sie drangsaliert ein ganzes Land.
In der Kiesgrube sollte man mal buddeln. Wer weiß, was da noch zu Tage kommen könnte 🙈
Oder in ihren Fundamenten von Haus, Pool, Terrasse … immer sehr beliebt bei Mafia und anderen Kriminellen.