19. Januar 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

Januar 19, 2026

Bischof warnt vor Märtyrertum – Glaube im Schatten von Minneapolis!

Bishop Rob Hirschfeld aus New Hampshire hat in diesen Tagen landesweit Aufmerksamkeit erregt, weil er Geistliche aufforderte, ihre Testamente zu regeln und sich auf eine neue Zeit vorzubereiten. Nicht auf eine rhetorische, sondern auf eine körperliche Bewährungsprobe. Seine Worte fielen bei einer Mahnwache für Renee Good, die am 7. Januar von einem ICE-Beamten erschossen wurde, während sie in ihrem Auto saß.

Der Bischof sprach von einer möglichen neuen Phase des christlichen Zeugnisses, in der es nicht mehr um Erklärungen gehe, sondern darum, sich schützend zwischen Macht und Schutzlose zu stellen. Er verwies auf Geistliche der Bürgerrechtsbewegung, die ihr Leben riskierten, um andere zu retten. Diese Geschichte, sagte er, sei keine ferne Vergangenheit. Die Trump-Regierung verteidigt den Schützen bis heute mit dem Verweis auf angebliche Selbstverteidigung. In Minneapolis, aber auch weit darüber hinaus, wird diese Darstellung durch Videoaufnahmen und Augenzeugen massiv infrage gestellt. Bürgermeister, Gouverneur und zahlreiche Beobachter widersprechen offen.

Der Bischof rief nicht zu Gewalt auf, sondern zu Furchtlosigkeit. Wer eine andere Welt aufbauen wolle, müsse bereit sein, auch den eigenen Körper einzusetzen. Angst vor dem Tod dürfe nicht länger das letzte Wort haben. Auch andere kirchliche Stimmen schließen sich an. Sie sprechen von Schutz für Migranten, von Verantwortung gegenüber den Schwächsten, von einer Kirche, die ohne sie nicht vollständig sei. In Minnesota mahnen Geistliche, Hass nicht mit Hass zu beantworten, sondern mit Beharrlichkeit und Nähe. Was bleibt, ist ein religiöser Ton, der ungewohnt direkt ist. Nicht jenseitig, sondern politisch. Nicht abstrakt, sondern konkret. Und fest verankert in einer Gegenwart, in der Glauben plötzlich wieder bedeutet, Haltung zu zeigen – mit offenem Ausgang.

Soldaten in Bereitschaft – Washington hält Minnesota unter Vorbehalt

Das Pentagon hat rund 1.500 aktive Soldaten in erhöhte Bereitschaft versetzt, für den Fall, dass sie nach Minnesota verlegt werden sollen. Zwei Infanteriebataillone einer in Alaska stationierten Einheit, spezialisiert auf Einsätze unter extremen Bedingungen, stehen abrufbereit. Hintergrund ist die massive bundesweite Abschiebeoperation und die anhaltenden Proteste dagegen. Auslöser ist die erneute Drohung des Präsidenten, den Insurrection Act zu aktivieren. Dieses Gesetz aus dem frühen 19. Jahrhundert erlaubt es, reguläre Truppen als Ordnungskräfte im Inland einzusetzen. Eine Maßnahme, die selten genutzt wird und politisch hoch umstritten ist.

Noch vor wenigen Tagen hatte Trump erklärt, er werde das Gesetz anwenden, sollten die Verantwortlichen in Minnesota nicht „durchgreifen“. Einen Tag später ruderte er teilweise zurück, ließ aber keinen Zweifel daran, dass er das Instrument jederzeit einsetzen würde. Das Verteidigungsministerium dementierte die Vorbereitungen nicht. Man sei jederzeit bereit, Anweisungen des Oberbefehlshabers auszuführen, hieß es knapp. Für viele Beobachter ist allein diese Bereitschaft ein Signal.

Minnesotas Gouverneur warnte eindringlich vor einer weiteren Eskalation. Er appellierte an den Präsidenten, die Lage zu beruhigen und auf zusätzliche Truppen zu verzichten. Mehr Militär, so seine Botschaft, werde die Spannungen nicht lösen, sondern vertiefen. Minnesota steht damit erneut im Fokus einer Politik, die innere Konflikte zunehmend mit Machtmitteln beantwortet. Dass nun reguläre Soldaten in Wartestellung gebracht werden, markiert eine neue Schwelle. Noch ist nichts passiert. Aber die Drohung steht im Raum – sichtbar, greifbar, bewusst gesetzt.

Zypern unter Druck

Kaum hat Zypern den Vorsitz im Rat der Europäischen Union übernommen, erschüttern Recherchen (siehe Video oben) die politische Spitze des Landes. Zu sehen sind hochrangige Akteure, die über Geld, Wahlkampfregeln und Umgehungswege bei Sanktionen sprechen. Kurz darauf folgen Rücktritte, Anzeigen, Dementis. Die Regierung spricht von hybrider Kriegsführung und prüft gezielt ausländische Einflussnahme. Geheimdienste sind eingeschaltet, internationale Partner eingebunden. Der Verdacht richtet sich auf bekannte russische Desinformationsstrukturen. Die Opposition hält dagegen. Ohne Korruption, so der Einwand, gäbe es auch nichts, was man heimlich filmen könnte.

Die Debatte dreht sich damit nicht nur um die Recherchen, sondern um Glaubwürdigkeit und Verantwortung. Brisant ist der Zeitpunkt. Der Ratsvorsitz verlangt Neutralität, Stabilität und Vertrauen. Genau das steht nun infrage. In Brüssel wächst die Sorge, Zypern könne zum Unsicherheitsfaktor werden, ausgerechnet während die EU ihre Sanktionspolitik gegenüber Russland verschärft. Hinzu kommen rätselhafte Ereignisse auf der Insel. Der Tod eines russischen Diplomaten mit Geheimdienstbezug, das Verschwinden eines russischen Geschäftsmannes, ein später gefundener Leichnam. Offiziell gibt es keine Verbindung. Inoffiziell wächst das Unbehagen. Für Zypern geht es inzwischen um mehr als einen Skandal. Es geht um institutionelle Handlungsfähigkeit. Und um die Frage, ob ein EU-Vorsitz unter Dauerverdacht funktionieren kann. Wir werden auch in nächster Zeit den Fall noch einmal aufgreifen, weil unsere Recherchen noch nicht abgeschlossen sind.

Schutz als Forderung

Stephen Miller behauptet nun, Europa werde von den USA geschützt, also habe Europa gefälligst mitzuziehen. In diesem Fall heißt das: Grönland. Wer Sicherheit bekommt, schuldet Gehorsam. Er redet von amerikanischen Steuergeldern, von Raketen, Atomwaffen, Soldaten, Geheimdiensten. Nicht erklärend, sondern belehrend. Der Ton ist nicht partnerschaftlich, sondern herablassend. Es klingt nicht wie ein Bündnis, sondern wie seine Abrechnung. Das ist inhaltlich falsch und politisch gefährlich. Europa ist kein passiver Schutzempfänger. Europäische Staaten unterhalten eigene Armeen, schicken Soldaten in Einsätze, zahlen Milliarden und tragen Risiken. Ohne Europa gäbe es diese Allianz nicht. Miller blendet das aus, weil es seiner Erzählung im Weg steht. Er braucht das Bild vom abhängigen Kontinent, um Forderungen zu rechtfertigen, die mit Verteidigung nichts mehr zu tun haben. So spricht jemand, der Bündnisse nicht mehr als gemeinsame Verantwortung sieht, sondern den Bezug zur Realität komplett verloren hat. Und genau darin liegt das Problem.

Europa zieht eine „kleine“ Linie

Die Botschaft aus Washington ist eindeutig. Entweder es gibt eine Einigung über Grönland oder es folgen Strafzölle. Zehn Prozent ab Februar, später deutlich mehr. Der Ton ist nicht verhandelnd, sondern fordernd. Genau das hat in Brüssel am Sonntag eine schnelle Reaktion ausgelöst. Die Botschafter der 27 EU-Staaten kamen zu einer Krisenrunde zusammen. Noch ist die Bereitschaft zur Eskalation gering. Man will reden, nicht vergelten. Gleichzeitig wurde unmissverständlich klargemacht, dass Grönland kein Verhandlungsobjekt ist, solange seine Bevölkerung etwas anderes will.

In Washington zeigt sich davon wenig Eindruck. Der amerikanische Finanzminister erklärte offen, Europa werde schon noch verstehen, dass eine amerikanische Kontrolle über Grönland für alle das Beste sei. Ein Satz, der in Brüssel eher als Drohung denn als Argument verstanden wird. Hinter den Kulissen liegen längst Gegenmaßnahmen auf dem Tisch. Ein Paket von Strafzöllen im Umfang von über 90 Milliarden Euro könnte kurzfristig aktiviert werden. Zusätzlich wird über ein Instrument diskutiert, das bislang nie eingesetzt wurde, gedacht für wirtschaftlichen Zwang von außen. Es würde vor allem amerikanische Konzerne treffen.

Die Zurückhaltung Europas hat Gründe. Militärisch, so glauben viele, ist man weiterhin auf die USA angewiesen. Das ohne Europa die Hälfte der amerikanischen Luftwaffe auf dem Boden bleiben müsste, kommt den meisten weiterhin nicht in den Sinn. Doch diese Rechnung beginnt sich auch zu verschieben, langsam. Die öffentliche Stimmung kippt, auch in Parlamenten wächst der Widerstand. Mehrere Regierungschefs haben Trump direkt widersprochen. Zölle gegen Verbündete seien falsch, hieß es aus London. Ein Fehler, sagte Rom. Auch die NATO-Spitze bestätigte Gespräche, blieb aber auffällig vage, auch das kennen wir aus der Vergangenheit. Am Ende steht eine gemeinsame Erklärung mehrerer europäischer Staaten. Die EU liebt gemeinsame Erklärungen, gebracht haben sie wenig bis nichts. Die Drohungen, so heißt es, beschädigten das transatlantische Verhältnis und könnten eine gefährliche Spirale auslösen. Europa stellt sich demonstrativ hinter Grönland. Noch wird verhandelt, die Geduld weiterhin unendlich.

Davos und der eigene Maßstab

In Davos beginnt das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums. Rund 3.000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kommen zusammen, um über Krieg, Wirtschaft, Klima, Technologie und Machtverschiebungen zu sprechen. Es geht nicht um Beschlüsse, sondern um Einfluss. Das Leitthema lautet Dialog. Gemeint ist der Versuch, globale Konflikte zumindest zu besprechen, während sie eskalieren. Auf den Tagesordnungen stehen Klimaschutz, künstliche Intelligenz, geopolitische Spannungen, Lieferketten und soziale Ungleichheit. Wenn sich die globale Elite in Davos trifft, steht der Schutz des Planeten wieder ganz oben auf der Agenda. Zumindest in den Ankündigungen. Nachhaltigkeit ist eines der Leitmotive, und die Frage lautet, wie Wohlstand innerhalb der Grenzen der Erde möglich sein soll. Der Anspruch endet nicht bei Reden und Podien. Auch das Treffen selbst soll sauberer werden. Weniger Emissionen, weniger Abfall, mehr Effizienz. So lautet das Versprechen der Organisatoren. Die Wege sind kurz, die Gebäude enger zusammengezogen, der Zug wird gefördert, nicht das Flugzeug. Energie soll aus erneuerbaren Quellen kommen, temporäre Bauten mehrfach genutzt, Materialien weitergegeben statt entsorgt.

Beim Essen setzt man auf lokale Produkte, auf Planung statt Überfluss. Was übrig bleibt, wird weiterverwendet. Plastikflaschen sind weitgehend verschwunden, der Müll wird sortiert, gemessen, ausgewertet. Trotzdem bleibt der größte Brocken unangetastet. Tausende reisen an, viele interkontinental. Das lässt sich nicht wegorganisieren. Auch nicht mit Ausgleichsprogrammen. Die Verantwortlichen sprechen offen von Grenzen. Davos sei klein, vieles brauche Zeit, vieles liege außerhalb des eigenen Einflusses. Fortschritt komme schrittweise, nicht auf Knopfdruck. So steht das Treffen selbst sinnbildlich für das Dilemma, das es diskutiert. Hohe Ziele, reale Einschränkungen, sichtbare Verbesserungen und blinde Flecken zugleich. Ob Davos den Planeten schützt, ist offen. Sicher ist nur: Es misst andere an Standards, an denen es sich selbst immer wieder messen lassen muss.

Alles billiger – nur nicht die Wahrheit

Trump erklärt, die Preise würden fallen. Lebensmittel würden billiger, Mieten sinken, Flugtickets günstiger, Hotels preiswerter, selbst Handys würden weniger kosten. Eine Aufzählung, gesprochen mit der Selbstverständlichkeit einer Erfolgsmeldung. Das Problem ist einfach. Es stimmt nicht. Nicht bei Lebensmitteln, nicht bei Mieten, nicht im Alltag der meisten Menschen. Wer einkauft, merkt es. Wer eine Wohnung sucht, erst recht. Wer reist, zahlt weiterhin mehr als früher. Trotzdem wird diese Behauptung wiederholt, gelogen bis der Arzt kommt. Als könne man Realität durch Unsinn ersetzen. Als reiche es, etwas oft genug zu sagen. Was hier sichtbar wird, ist keine optimistische Einschätzung, sondern ein Blick in Trumps Welt. Preise werden nicht beschrieben, sie werden behauptet. So entsteht eine Parallelwelt, in der alles besser wird, während draußen nichts davon ankommt. Wer widerspricht, gilt als Gegner. Wer es glaubt, bleibt zurück mit leeren Händen. Man wird das noch oft hören. Wahrer wird es dadurch nicht.

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