Amtliche Hetze – Wie Sarah B. Rogers vom US-Aussenministerium Deutschland zum extremen Feindbild erklärt

VonRainer Hofmann

Januar 17, 2026

Sarah B. Rogers bekleidet das Amt der Unterstaatssekretärin der Vereinigten Staaten für öffentliche Diplomatie im Außenministerium. In dieser Funktion trägt sie die Verantwortung für die internationale Kommunikation der amerikanischen Regierung – für strategische Auslandsansprache, Medienarbeit, digitale Öffentlichkeitsarbeit und die politische Vermittlung amerikanischer Positionen gegenüber fremden Gesellschaften. Sie verantwortet jene Programme, Botschaften und Logik, durch welche die Vereinigten Staaten ihr Selbstverständnis, ihre Werte und ihre politischen Linien nach außen tragen. Was über ihre Kanäle in die Welt tritt, ist nicht private Meinung, sondern Teil der staatlichen Kommunikation. Man könnte sagen: Es ist die Stimme des Staates selbst, die hier spricht, in all ihrer vermeintlichen Autorität.

Text oben: **„Deutschland hält bekanntermaßen nur sehr wenige Juden, hat unter Merkel jedoch barbarische Vergewaltigerhorden importiert (als Amerikaner darf ich sie so nennen). Noch heute unterdrückt Deutschland politische Opposition, die darauf hinweist.

Ihr werdet sagen, das liege an ‚jüdischen‘ NGO-Tentakeln oder euch darüber beklagen, dass Hitler (der sein Land zerstört hat) von der Geschichte zu hart behandelt werde. Ihr werdet das sagen, weil ihr dummer Abschaum seid, der lieber Verschwörungstheorien verbreitet, als Deutschen (oder irgendwem sonst) Verantwortung für die Zukunft ihrer Länder zuzuschreiben.“** (15. Januar 2026)

Text unten: **„Im Zuge der Kölner Übergriffe sah sich ein deutscher Abgeordneter mit offiziellen Sanktionen konfrontiert und wurde mit Gefängnis bedroht, weil er den Ausdruck ‚barbarische, gruppenvergewaltigende muslimische Horden‘ getwittert hatte. Deutschland verabschiedete daraufhin zügig ein weiteres ‚Hassrede‘-Gesetz, das sich gegen soziale Medien richtet.“** (15. Januar 2026)

Eben dort vollzieht sich der Bruch. Dort beginnt das Ungeheuerliche. In ihren Veröffentlichungen erscheint Deutschland, England und Europa wiederholt nicht als Partner, sondern als Problemfall von geradezu exemplarischer Verwahrlosung. In einem der zentralen Beiträge findet sich die Behauptung, Deutschland habe unter Angela Merkel barbarische Vergewaltigerhorden importiert und unterdrücke bis heute jene politische Opposition, die auf diese Zustände hinweise. Diese Formulierung ist keine nachträgliche Zuspitzung durch Dritte, sondern Teil der amtlichen Wortwahl. Sie übernimmt Vokabular, das seit Jahren in rechtsextremen Milieus zirkuliert, und hebt es in den Rang offizieller Regierungssprache. Was einst am Rand lauerte, steht nun im Zentrum. Was einst geflüstert wurde, wird nun verkündet.

Text oben: **„Dies könnte ein unbeholfener Versuch sein, die in Europa und dem Vereinigten Königreich zu beobachtenden Zustände zu vermeiden, wo Bürger für das Zitieren der Bibel oder sogar für stilles Gebet ins Gefängnis kommen. Doch das Problem mit ‚Hassrede‘-Gesetzen – eines von vielen – ist, dass sie von genau den Menschen durchgesetzt werden, die tatsächliche gewalttätige Fanatiker hätscheln, solange diese als untergeordnet erscheinen.“** (13. Januar 2026)

Text unten: „Länder verbieten und beschränken seit Langem Visa auf intransparenten, willkürlichen weltanschaulichen Grundlagen. Lauren Southern wurde um etwa 2018 aus dem Vereinigten Königreich verbannt, weil sie Allah als ‚schwul‘ und ‚trans‘ gelästert habe. Medien und Kommentatoren, die zu diesen Entscheidungen schwiegen oder sie gutheißen, werfen nun der Trump-Regierung ihre Politik vor.“**(14. Januar 2026)

In einem weiteren Beitrag wird behauptet, Kritik an dieser Darstellung werde in Deutschland systematisch unterdrückt, während zugleich mit antisemitischen Andeutungen gearbeitet wird. Dort ist von angeblichen jüdischen NGO-Netzwerken die Rede, die politische Entscheidungen nach verborgenen Interessen lenkten. Solche Zeichen sind seit Jahrzehnten bekannt, ihre Grammatik ist uns vertraut aus den dunkelsten Kapiteln der Geschichte. Sie dienen nicht der Analyse, sondern der Schuldzuweisung, nicht der Erkenntnis, sondern der Verführung. Dass sie ausgerechnet über den Kanal einer amerikanischen Unterstaatssekretärin verbreitet werden, markiert eine neue Eskalationsstufe in der Auflösung diplomatischer Sprache – und vielleicht auch in der Auflösung dessen, was wir einst Zivilisation nannten.

Text oben: **„Die Zukunft jeder vernünftigen Politik sollte es erlauben, die Wahrheit zu sagen – auch in den anschaulichen, polemischen Begriffen, die Politik üblicherweise mit sich bringt – über Ereignisse wie Köln und ihre unstrittigen Ursachen. Stattdessen hat Deutschland diese Sprache strafrechtlich sanktioniert.“** (15. Januar 2026)

Text unten: **„Starker Artikel, der mehrere absurde Beispiele zusammenführt, darunter – und über das hinausgehend – jene aus meinem Video. Die Architekten der digitalen Gesetze der EU und des Vereinigten Königreichs versuchten aktiv, diese in den Vereinigten Staaten zu kopieren – ein grotesker Verrat an allem, wofür wir stehen.“** (8. Januar 2026)

Artikel-Link zum Artikel vom 6. Januar 2026 der rechtskonservativen Washington Post: https://www.washingtonpost.com/opinions/2026/01/06/hate-speech-censorship-campus-european-union-britain/

Zusammenfassung des Artikels: Der Autor warnt, dass staatlich durchgesetzte „Hassrede“-Gesetze nicht zu einer friedlicheren Gesellschaft führen, sondern zu Einschüchterung, Angst und selektiver Strafverfolgung. In Großbritannien seien 2023 über 12.000 Menschen wegen angeblich „grob beleidigender“ Kommunikation festgenommen worden – ein Ausmaß, das selbst die schlimmsten Phasen politischer Repression in den USA übertreffe. In Deutschland würden Menschen strafrechtlich verfolgt, ihre Wohnungen durchsucht und Geräte beschlagnahmt, weil sie beleidigende Nachrichten an verurteilte Straftäter schickten oder politisch zugespitzte Vergleiche verwendeten. Auch Bibelzitate, religiöse Aussagen oder Kritik an LGBT-Politik hätten in mehreren europäischen Ländern zu jahrelangen Strafverfahren geführt, selbst nach wiederholten Freisprüchen. Der Autor spricht von einem System, in dem das Verfahren selbst zur Strafe werde. Besonders brisant sei, dass europäische Zensurgesetze über globale Plattformen auch amerikanische Meinungsfreiheit faktisch einschränken könnten. Sein Fazit ist eindeutig: Europa sei in Fragen der Meinungsfreiheit kein Vorbild, sondern ein abschreckendes Beispiel.

Auffällig ist die Auswahl der geteilten Inhalte. Immer wieder werden einzelne Gewaltverbrechen hervorgehoben, mit religiöser oder ethnischer Zuschreibung versehen und als Beleg für ein generelles Staatsversagen präsentiert. Ein Beitrag verbreitet die Überschrift, es sei in Ordnung, nichtmuslimische Frauen zu vergewaltigen – angeblich geäußert von einem muslimischen Geistlichen. Der Kontext fehlt, wie er immer fehlt in solchen Konstruktionen. Die Quelle bleibt zweifelhaft, wie sie immer zweifelhaft bleibt. Die Verallgemeinerung ist beabsichtigt, wie sie immer beabsichtigt ist. Deutschland erscheint in dieser Darstellung als ein Land, das solche Zustände dulde oder gar ermögliche, als ein Gemeinwesen, das die eigene moralische Verfassung preisgegeben habe – als sei es bereits verloren, bereits gefallen, bereits jenseits jeder Rettung.

Anfrage an das Auswaertige Amt
Sind die Aussagen aus dem US-Aussenministerium in Berlin bekannt?
Wir haben dem deutschen Auswaertigen Amt schriftlich Fragen zu den oeffentlichen Aussagen von Sarah B. Rogers (US-Aussenministerium) uebermittelt.
Konkret haben wir angefragt:
  • Sind diese Aussagen im Auswaertigen Amt bekannt?
  • Falls ja: Gibt es dazu ein offizielles Statement oder eine Einordnung?
  • Wurden eigene Schritte eingeleitet, etwa diplomatische Rueckfragen oder eine formelle Kontaktaufnahme?
Sobald uns eine Antwort vorliegt, werden wir sie in dieser Berichterstattung transparent nachreichen.

Unter diesen Veröffentlichungen sammeln sich zustimmende Kommentare aus offen neonazistischen Kreisen. Aussagen wie jene, Juden hätten Deutschland absichtlich destabilisiert, bleiben unwidersprochen stehen. Sie werden nicht gelöscht, nicht eingeordnet, nicht zurückgewiesen. Damit entsteht ein öffentlicher Raum, in dem staatliche Aussagen und extremistische Zustimmung nebeneinander existieren, ohne dass eine Grenze gezogen würde. Die Linie zwischen offizieller Kommunikation und radikaler Ideologie wird nicht mehr verteidigt – sie wird verwischt, aufgeweicht, preisgegeben. Man könnte meinen, sie habe nie existiert. Man könnte meinen, sie sei nie gewollt gewesen.

Gleichzeitig laufen auf demselben Profil die üblichen Amtsinszenierungen. Fotografien von Sitzungen mit Kongressausschüssen, Treffen mit ausländischen Delegationen, Dankesworte an Partnerstaaten. Die Maske der Normalität wird aufrechterhalten, während darunter etwas anderes wuchert. Die aggressive Sprache richtet sich selektiv gegen Deutschland. Andere Verbündete werden so nicht behandelt. Das ist keine zufällige Tonlage, keine momentane Verstimmung, sondern eine bewusste Schwerpunktsetzung – eine Entscheidung, getroffen in voller Kenntnis ihrer Tragweite.

Sarah B. Rogers bekleidet das Amt der Unterstaatssekretärin der Vereinigten Staaten für öffentliche Diplomatie im Außenministerium.

Bemerkenswert ist, dass aus Berlin bislang keine erkennbare Reaktion erfolgt ist. Keine öffentliche Zurückweisung, keine diplomatische Klarstellung, keine Einordnung. Während deutsche Stellen regelmäßig auf Desinformation reagieren, wenn sie aus Moskau oder Peking kommt, bleibt diese offene Diffamierung durch eine Vertreterin der amerikanischen Regierung unbeantwortet. Das Schweigen hat seine eigene Beredsamkeit. Es schafft ein Vakuum, in dem die Darstellung unwidersprochen stehen bleibt und sich weiterverbreitet, als sei sie eine akzeptable Lesart der Wirklichkeit, als sei sie eine Wahrheit unter vielen.

Sarah B. Rogers nutzt ihr Amt nicht, um zu erklären oder zu vermitteln, sondern um Feindbilder zu bedienen. Die Sprache ist einfach, aggressiv, emotionalisierend. Sie verzichtet auf Differenzierung, sie verzichtet auf Verantwortung, sie verzichtet auf jene diplomatische Zurückhaltung, die einst als Grundlage zwischenstaatlicher Kommunikation galt. Dass dies ausgerechnet aus dem Bereich der öffentlichen Diplomatie geschieht, ist kein Widerspruch, sondern Teil einer größeren Entwicklung, deren Ende wir noch nicht absehen können. Diplomatie wird hier nicht mehr als Ausgleich verstanden, sondern als Instrument der innenpolitischen Mobilisierung nach außen – als Fortsetzung des Kulturkampfes mit anderen Mitteln, als Waffe in einem Krieg, den niemand erklärt hat, der aber bereits im Gange ist.

Was hier sichtbar wird, ist kein Ausrutscher und kein Kommunikationsfehler. Es ist eine bewusste Verschiebung staatlicher Sprache, eine Neuordnung dessen, was gesagt werden darf und was nicht. Wenn Begriffe aus extremen Milieus in offiziellen Kanälen normalisiert werden, verändert sich der Rahmen dessen, was sagbar ist, was denkbar wird, was als legitime Position gelten darf. Die Grenzen verschieben sich, langsam, unmerklich, aber unaufhaltsam. Dass Deutschland darauf bislang öffentlich schweigt, macht diese Entwicklung nicht kleiner, sondern größer. Denn staatliche Hetze entfaltet ihre Wirkung nicht allein durch Lautstärke, sondern durch die Abwesenheit von Widerspruch – durch das Schweigen jener, die sprechen müssten, durch das Wegschauen jener, die hinsehen sollten, durch die Resignation jener, die handeln könnten.

Vielleicht ist das Schweigen selbst bereits eine Antwort. Vielleicht sagt es mehr als jede Erklärung es könnte. Vielleicht offenbart es eine stille Kapitulation vor dem Ungeheuerlichen, das zur Normalität geworden ist.

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Frank Schnabel
Frank Schnabel
2 Stunden zuvor

hoffentlich fährt nun keiner freiwillig in dieses Land, so lange es von dieser gemeingefährlichen Bande geführt wird! OK, die AfDeppen werden es tun……

Dr. Dagmar Schatz
Dr. Dagmar Schatz
2 Stunden zuvor

Niklas Frank hätte bestimmtz seine helle Freude an ihr. Zuerst kommt die Rede, dann kommt die Tat bzw. das Gesetz. Hier ist ihr Wikipedia-Eintrag. Besonders aufschlussreich: die3 fünfte Fußnote.

Zuletzt bearbeitet am 2 Stunden zuvor von Dr. Dagmar Schatz
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