Goldenes Versprechen, leeres Schaufenster – Zocken Trumps ihre eigene Basis ab?

VonRainer Hofmann

Januar 7, 2026

Während in Las Vegas auf der CES ein Gerät nach dem anderen vorgestellt wird, bleibt das goldene Smartphone aus dem Umfeld von Donald Trump unsichtbar. Trump Mobile hatte den Marktstart des T1-Telefons für den Spätsommer 2025 angekündigt und einen Preis von rund 500 Dollar genannt, deutlich unterhalb aktueller iPhone-Modelle. Begleitet war das von der Zusage, das Gerät werde in den Vereinigten Staaten entworfen und gefertigt. Recherchen von uns zeigen jedoch, dass sowohl der Zeitplan als auch die Produktionsaussagen schrittweise zurückgenommen wurden. Bereits im Juni 2025 ließ sich offenlegen, dass eine Fertigung in China vorgesehen war. America First spielte dabei keine Rolle, Trump First schon.

Trotzdem werden bis heute Anzahlungen in Höhe von 100 Dollar angenommen. Das Gerät selbst wurde öffentlich nie gezeigt. Technische Angaben fehlen ebenso wie belastbare Informationen zur Fertigung. Für ein Projekt, das als marktnah präsentiert wurde, ist das auffällig. Während andere Hersteller liefern, bleibt Trump Mobile bei Ankündigungen und Vorabversprechen. Ob das Telefon überhaupt existiert, lässt sich bislang nicht belegen.

Dass Trump am 18. Juni 2025 versicherte, das Telefon sei lediglich „vorübergehend in Asien“ gefertigt worden, weil „die Demokraten die amerikanischen Fabriken ruiniert“ hätten, sorgte selbst unter wohlmeinenden Republikanern für hörbares Erstaunen. Ein konservativer Tech-Investor verglich die Erklärung hinter vorgehaltener Hand mit „einem Big Mac, der plötzlich mit importiertem Rind aus Venezuela erklärt wird“. Unsere Recherchen zeigen jedoch, dass diese angeblich vorübergehende Produktion nie stattgefunden hat. Auch wiederholte Anfragen zu Ort, Zeitraum und Umfang dieser behaupteten Fertigung blieben unbeantwortet. Trumps Aussage vom 18. Juni verweist damit auf einen Produktionsvorgang, für den es nachweislich keine überprüfbaren Anhaltspunkte gibt, eine Produktion, die nie stattgefunden hat.

Unsere Recherchen ergaben weiter, dass bis heute nicht bekannt ist, in welchem Werk produziert werden sollte. Der Grund ist schlicht: Es existieren keine belastbaren Hinweise auf ein reales Produktionsarrangement. Weder lassen sich Zoll- oder Exportdokumente finden, noch FCC-Testgeräte, IMEI-Registrierungen oder Lieferverträge. Auch Hinweise auf Displays, Prozessoren, Akkus oder Kameramodule fehlen vollständig. In Branchenkreisen, in denen selbst frühe Planungen normalerweise Spuren hinterlassen, findet sich nichts. Das ist ungewöhnlich für ein Produkt, das öffentlich als kurz vor der Auslieferung beworben wurde. Sämtliche Anfragen zu dem Gerät werden konsequent nicht beantwortet.

Nach unseren Erkenntnissen haben dennoch mehr als 500.000 Menschen bereits Verträge abgeschlossen. Daraus ergibt sich eine potenzielle Summe von rund 50 Millionen US-Dollar allein aus Anzahlungen. Gleichzeitig gibt es keine transparente Angabe zur geplanten Stückzahl, keine Absicherung der Kundengelder über ein Treuhandmodell, keine klare Logik für Rückerstattungen und keine Geschäftsbedingungen, in denen Produktionsschritte oder verbindliche Termine festgelegt wären. Auf der CES fehlte jede Präsenz, es gab kein Hands-on, keine veröffentlichte Entwicklungsabfolge und keine Zuteilungen durch internationale Mobilfunkverbände oder Hinweise aus Datenbanken großer Netzbetreiber.

Vorgestellt worden war das Projekt als patriotisches Vorhaben, als technisches Gegenstück zur importierten Elektronik und als wirtschaftliches Versprechen an die eigene Anhängerschaft. Übrig geblieben ist davon bislang nur ein Name, ein Preis und ein Bezahlbutton. Die Diskrepanz zwischen öffentlicher Ankündigung und überprüfbaren Fakten ist erheblich. Wer heute Geld für dieses Telefon hinterlegt, tut das ohne sichtbares Produkt, ohne nachprüfbare Lieferkette und ohne belastbare Zusagen. Das ist keine Kleinigkeit, sondern der entscheidende Befund unserer Recherchen.

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Ela Gatto
Ela Gatto
1 Tag zuvor

Danke für die Recherche.

Ich habe von Anfang an gesagt, dass das Telefon „made in America“ zu dem Preis, höchstens mit dem Standard der allerersten Nokia Geräte hätte her gestellt werden können.

Aber wer so total verblödet ist, das Telefon nur deswegen vorzubestellen, „Trump“ drauf steht, ist selber Schuld!
Pre-order sind nicht ungewöhnlich. Anzahlungen sind nicht so üblich.

Aber bevor ich etwas bestelle, vergleiche ich technische Daten.
Ohne technische Daten, Spezifikationen, etc. zu bestellen, einfach nur weil Trump drauf steht und er es grinsend angepriesen hat.

Das ist dumm. Wirklich dumm.

Ich vermute, dass die Leute weder ihr Handy bekommen noch die Anzahlung zurück erhalten.

Da können sie sich freuen, dass sie nur 100$ verloren haben.

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