Wieder eine dieser Nächte, in denen die Ukraine brennt, während anderswo darüber spekuliert wird, ob Putin nun plötzlich zu Gesprächen bereit sei. In Kiew schlugen russische Drohnen, Raketen und ballistische Geschosse in ganz normalen Wohnvierteln ein. Neun Bezirke meldeten Schäden, mindestens fünf hohe Wohnhäuser wurden getroffen. Ein Mann ist tot, sieben Menschen sind verletzt, darunter ein Kind. Das ist die Realität – nicht das Gerede über „Signale“ oder „Bereitschaft“.

Die Angriffe zielten nicht auf militärische Infrastruktur, sondern auf Menschen in ihren Wohnungen. Familien, die schliefen. Kinder, die gerade erst eingeschult wurden. Menschen, die einfach nur überleben wollten, während draußen der Alarm heult. Russland tut das nicht heimlich. Russland tut es, weil es sicher ist, dass die Welt es zulässt. Was soll man über Verhandlungen denken, die diese Bezeichnung überhaupt verdient haben, wenn in derselben Nacht Fassaden brennen, Treppenhäuser einstürzen und Rettungskräfte versuchen, Bewohner aus oberen Stockwerken zu holen, während die Feuerwehr darunter die Flammen eindämmt? Wer solche Bilder sieht, hört das Wort „gesprächsbereit“ völlig anders. Es ist absurd, so zu tun, als gebe es plötzlich eine Tür, die offensteht. Die einzige Tür, die heute Nacht offenstand, war die eines brennenden Wohnhauses, in dem Menschen versucht haben, sich durch den Rauch nach draußen zu tasten.

Neun Bezirke Kiews liegen in Trümmern, fünf Hochhäuser sind beschädigt, ein Mensch ist tot. Das ist Putins Antwort – nicht irgendein diplomatischer Satz, der am nächsten Tag durch Pressekonferenzen wandert. Wer wissen will, wie ernst es Russland mit Gesprächen meint, muss sich nur diese Nacht ansehen und viele andere davor. Mehr Antworten gibt es nicht.

Unterdessen präsentierte sich Alice Weidel im Fernsehen bei ntv als eine Art politische Hellseherin, die angeblich schon immer wusste, wohin die Dinge laufen. Sie sitzt dort, als würde sie dem Land einen Gefallen tun, indem sie erklärt, Trump und Putin würden nun das umsetzen, was die AfD seit Jahren fordere. Dann sollte Frau Weidel schnell ein paar Sachen packen und ab nach Kiew. Es kann ja nicht viel passieren, schenkt man ihrer Einstellung glauben, dank der Diplomatie. Ein Wort, das man ihr dringend erklären sollte. Damit übernimmt sie genau jene Argumente, die Moskau seit Jahren nutzt, um Europa gegeneinander auszuspielen. Statt sich mit einem überfallenen Land zu solidarisieren, stellt sie dessen Existenzrecht infrage und verkauft das als nüchterne Analyse, als sei Putins Angriffskrieg ein bloßes Kommunikationsproblem. Das einzige echte Problem, das man heute bei ntv gesehen hat, war jedoch ein anderes: Alice Weidel und eine AfD, die für Regierungsverantwortung schlicht vollkommen unqualifiziert sind.
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