75 Meter. Ein Waffenstillstandsvorschlag. Und niemand antwortet. Wort gebrochen

VonTEAM KAIZEN BLOG

April 6, 2026

Trump hatte es versprochen. Nach dem ersten israelischen Angriff auf South Pars im März sagte er öffentlich, Israel werde dort nicht wieder angreifen. Verteidigungsminister Israel Katz bestätigte am Montag den zweiten Angriff auf die Anlage persönlich. South Pars ist die größte petrochemische Fabrik Irans, verantwortlich für rund 50 Prozent der nationalen Produktion, und gleichzeitig das größte Gasfeld der Welt, geteilt zwischen Iran und Katar.

Trump hatte es selbst festgehalten. In einem öffentlichen Post erklärte er, dass es keine weiteren Angriffe auf das South-Pars-Gasfeld geben werde. Die Realität folgte einem anderen Kurs. (19. März 2026)

Ein Versprechen. Gebrochen. Ohne Erklärung.

South Pars ist die größte petrochemische Fabrik im Iran

75 Meter. So nah traf ein anderer Angriff am Atomkraftwerk Buschehr vorbei. Der UN-Atomwächter IAEA bestätigte es am Montag. Generaldirektor Rafael Grossi forderte ein sofortiges Ende solcher Angriffe und sprach von einer sehr realen Gefahr für die nukleare Sicherheit. Das Kraftwerk versorgt rund eine Million Haushalte mit Strom, betrieben mit niedrig angereichertem Uran aus Russland, mit russischen Technikern vor Ort. Seit Kriegsbeginn gab es vier Angriffe in unmittelbarer Nähe des Geländes. Der letzte tötete einen Sicherheitsmitarbeiter und beschädigte ein Nebengebäude.

Am Morgen kam es zu mehreren Angriffen auf den iranischen Luftwaffenstützpunkt in Buschehr.

75 Meter vom schlimmsten denkbaren Szenario entfernt

Ägypten, Pakistan und die Türkei haben beiden Seiten spät am Sonntagabend einen Vermittlungsvorschlag übermittelt. 45 Tage Waffenstillstand, Öffnung der Straße von Hormus, danach umfassende Verhandlungen. Der Vorschlag ging an den iranischen Außenminister Abbas Araghchi und den amerikanischen Nahost-Gesandten Steve Witkoff. Beide Seiten haben bisher nicht geantwortet. Iran besteht auf finanziellen Reparationen und einer Garantie, nicht erneut angegriffen zu werden. Trump droht gleichzeitig, Kraftwerke und Brücken zu treffen, sollte Hormus nicht bis Dienstag geöffnet sein, und sagt in einem Fox-News-Interview, iranische Unterhändler hätten Immunität vor dem Tod erhalten, die nuklearen Fragen seien faktisch bereits zugestanden.

Drohung und Verhandlung. Immunität und Vernichtungsandrohung. Aus demselben Mund, im Abstand von Stunden.

Die Katzen von Teheran zucken nicht mehr zusammen. Sie haben es gelernt, so wie man Dinge lernt, die man nie lernen wollte – nicht durch Entscheidung, sondern durch das allmähliche Verblassen des Erschreckens, bis dort, wo einmal Angst war, nur noch Stille sitzt. Mensch und Tier in derselben Stadt, unter demselben Himmel, beide längst in einer Wirklichkeit angekommen, die keiner von ihnen gewählt hat. Gewöhnung ist kein Frieden. Sie ist das Gegenteil davon – der Moment, in dem das Unerträgliche aufhört, unerträglich zu klingen, und einfach zum nächsten Morgen wird. Teheran hat viele solcher Morgen gehabt.

EU-Ratspräsident António Costa sagte, Eskalation werde keinen Waffenstillstand bringen. Nur Verhandlungen könnten das. Jeder Angriff auf zivile Infrastruktur sei illegal und inakzeptabel. Die iranische Zivilbevölkerung sei das Hauptopfer des iranischen Regimes – sie wäre auch das Hauptopfer einer Ausweitung der Militärkampagne. Costa richtete diese Worte erkennbar an Trump, ohne seinen Namen zu nennen. So funktioniert europäische Diplomatie in diesem Krieg: laut genug um gehört zu werden, leise genug um nichts zu riskieren.

Der Vorschlag liegt auf dem Tisch. Die Angriffe laufen weiter. In den Trümmern von Eslamshar, Jnah, Haifa und Ain Saadeh suchen Menschen noch immer nach denen, die sie kannten.

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Ela Gatto
1 Stunde vor

Wortbruch ist dieser Tage leider an der Tagesordnung.

Russland hat es gemacht
Israel macht es gerade
Trump interessiert sich nicht einmal für das selbst (zu)gesagte.
Gestern gesagt, morgen verworfen.

Ohne Israel einzubinden, wird es keinen echten Frieden geben.
Wie man sieht, will Israel „gehört“ werden und riskiert eine atomare Katastrophe für einen großen Teil im Nahen Osten. 😞

Zuletzt bearbeitet am 1 Stunde vor von Ela Gatto
Ela Gatto
1 Stunde vor

Danke für das Bild der wunderschönen Katze.😻

Die Tiere leiden auch.
Sie verlieren ihr Heim, Ihre Bezugspersonen.

Patricia
Patricia
36 Minuten vor

Niemand der Kriegstreiber ist noch bei Verstand.Ihr einziges Ziel scheint zu sein: Nach mir keine Welt mehr. „Iran besteht auf finanziellen Reparationen und einer Garantie, nicht erneut angegriffen zu werden.“ Das ist eine mehr als legitime Forderung. Sie haben nicht einmal geantwortet. Es braucht keine weiteren Beweise mehr für die wahren Beweggründe der Kriegshandlungen. Alle Begründungen sind Vorwände, mehr nicht. Es sind psychopathische Kriegsverbrecher wie Hitler einer war. Ebenso alle Kollaborateure, die diese Handlungen stützen, Kriegsverbrecher sind. Niemand kann ihre Äußerungen noch für bare Münze nehmen oder auch nur im Ansatz für vertrauenswürdig halten.Sie würden das eine sagen und noch in der selben Sekunde das Gegenteil tun.Sie sind wahnsinnig geworden. Warum werden sie nicht gestoppt? Es scheint so viele hirnlose Nutznießer zu geben, dass es einem die Sprache verschlägt.

Zuletzt bearbeitet am 28 Minuten vor von Patricia
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