Denis Kapustin lebt. Und das ist keine Kleinigkeit, sondern eine Ohrfeige für den russischen Geheimdienstapparat. Noch vor wenigen Tagen berichteten Agenturen weltweit über seinen angeblichen Tod – getroffen von einer russischen Drohne, ausgeschaltet nahe der Front, Ziel eines gezielten Schlags. Bilder machten die Runde, Nachrufe wurden formuliert, der Name war abgehakt. Doch das, was jetzt öffentlich wurde, ist nichts weniger als ein Coup. Das ukrainische Militärgeheimdienst GUR hat die Geschichte selbst erzählt – in einem Video, das zeigt, wie Kyrylo Budanow, Chef der Behörde, Kapustin persönlich gratuliert. „Willkommen zurück“, sagt er. Und meint es wörtlich. Kapustin war nie tot. Er war Teil eines Plans, vorbereitet über Wochen, ausgeführt mit Präzision. Ziel war es, den russischen Geheimdienst zu täuschen – und es gelang.
Budanow begrüßt Kapustin in einem Video mit den Worten: „Glückwunsch zu deiner Rückkehr.“
Laut GUR hatten russische Dienste 500.000 Dollar für die Ermordung Kapustins ausgelobt. Ein halbe Million, um den Chef der russischen Freiwilligentruppe (RDK) auszuschalten, die von ukrainischem Boden aus wiederholt Angriffe auf russisches Gebiet führt. Die Operation zur Vortäuschung seines Todes wurde von einer Spezialeinheit unter dem Kommando eines Mannes namens „Timur“ umgesetzt. Mit falschen Spuren, inszenierten Aufnahmen und kontrollierter Weitergabe an russische Kontakte. Das Ergebnis: Die Russen glaubten alles, zahlten das Geld – und feierten einen Erfolg, den es nie gab.
Noch entscheidender: Durch die fingierte Operation konnten nach ukrainischer Darstellung die Auftraggeber und Durchführer auf russischer Seite identifiziert werden. Es war nicht nur ein Schlag gegen die Kasse, sondern ein tiefer Blick in die Strukturen des Gegners. Das Geld, so Budanow, werde nun den ukrainischen Spezialeinheiten zugutekommen. „Sie haben unsere Leute bezahlt“, sagte er sinngemäß, „und wir danken dafür.“
Was hier sichtbar wird, ist ein moderner Schlagabtausch weit über das Schlachtfeld hinaus. Täuschung, Kontrolle, Informationsfluss – wer schneller denkt, lebt länger. Und in diesem Fall auch der Mann, den Russland längst totgeglaubt hatte.
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