Donald Trump verbringt das Wochenende in Florida. Zwischen Golf und Meeresblick greift er zum Computer und setzt ein Ultimatum. Keine Pressekonferenz, kein Briefing, kein Außenminister daneben – ein Post auf Social Media, und die Uhr läuft. 48 Stunden. So viel Zeit gibt er Iran, um die Straße von Hormus vollständig zu öffnen. Wenn Teheran nicht reagiert, werden die USA iranische Kraftwerke angreifen. Trump schreibt, er werde „verschiedene Kraftwerke zerstören, beginnend mit dem größten.“ OK, gestern meinte Trump, man brauche die Straße von Hormus nicht. Scheinbar heute doch, vielleicht weil Sonntag ist.

Man liest den Satz. Und dann denkt man an die 90 Millionen Menschen, die gerade Nowruz feiern – ohne Internet, ohne Verbindung, im Schweigen eines abgeschalteten Landes. Und jetzt ohne Strom. Kraftwerke sind keine Militärziele im üblichen Sinne. Sie versorgen Krankenhäuser, Wasserpumpen, Heizungen, Kühlketten. Ihr Ausfall trifft nicht die Revolutionsgarden – er trifft den Mann, der morgens das Licht anmacht, die Frau, die ihr Kind im Krankenhaus besucht, die Stadt, die einfach funktionieren will.

Trump weiß das. Oder er denkt nicht darüber nach. Beides ist gleich gefährlich.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Straße von Hormus bleibt blockiert, Öl fließt nicht, die Preise steigen, und der wirtschaftliche Druck auf die USA wächst mit jeder Woche. Das Finanzministerium hat bereits Sanktionen auf iranisches Öl gelockert – damit nicht China als einziger Profiteur dasteht, während Amerika kämpft. Und nun droht Trump, die Infrastruktur desselben Landes zu zerstören, dessen Öl er gerade freigegeben hat. Mit einer Hand die Sanktionen lockern. Mit der anderen die Kraftwerke zerstören. Republikanische Abgeordnete Nancy Mace hat diesen Widerspruch bereits in einem Satz zusammengefasst – und sie ist Trumps eigene Parteikollegin.
Der vierte Samstag des Krieges. Und Trump sagt, der Krieg ende, wenn er es in den Knochen spüre, mal wieder.
Dreizehn amerikanische Soldaten sind tot. Über 1.300 Zivilisten im Iran. Mehr als 1.000 im Libanon. Ein Kindergarten in Rishon LeZion getroffen – leer, zum Glück. Ein Kind in Ahvaz getroffen – nicht leer, tot.
Und irgendwo in Florida tippt ein Mann ein Ultimatum, setzt eine Frist, und geht dann vermutlich essen.
Innerhalb von 48 Stunden hatte Trump zuvor erklärt, der Krieg sei gewonnen. Dann lehnte er einen Waffenstillstand ab. Dann sagte er, man sei kurz vor den Zielen – welchen Zielen, blieb offen. Die Straße von Hormus interessiere die USA nicht, sie öffne sich irgendwann von selbst. Dann drohte er, sie mit Gewalt zu öffnen. Jetzt setzt er eine Frist und kündigt Angriffe auf Kraftwerke an.
Das ist kein Strategiewechsel. Das ist kein taktisches Manöver. Das ist ein Mann, der Krieg führt wie er Immobilien verkaufte – laut, widersprüchlich, und immer überzeugt, dass der nächste Satz den vorherigen ersetzt. Das Problem ist: Raketen ersetzen keine Sätze. Und ein zerstörtes Kraftwerk leuchtet nicht wieder auf, weil der Präsident am nächsten Morgen etwas anderes postet.
Die 48 Stunden laufen. Der Nahe Osten brennt. Und Frieden und Krieg liegen in den Händen eines Mannes, der auf sein Knochengefühl wartet. 2026 – Krieg und Frieden in den Händen von Verrückten. Der Rest zählt Tote.
Fortsetzung folgt …
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Ja, im Beitrag wurde es erwähnt, vielleicht noch möchte ich ergänzend zufügen kranke, ja geisteskranke alte weiße Verbrecher, wie ein Trump Netanjahu und Putin, welche Welt ins Chaos stürzen, malwieder.
…ja, wir haben uns weit herausgelehnt im Artikel, jedoch ist das, was aktuell passiert, nicht mit normalem Menschenverstand erklärbar. Täglich ändert sich die Rhetorik, täglich die Kriegsziele – wir sehen live, was abgeht, und es geht voll auf dem Rücken der Zivilgesellschaft und aller Länder, die mit diesem Krieg nichts zu tun haben. Es sind keine Ziele mehr erkennbar. In Teheran wird bombardiert, wo du dich fragen musst: Wo war da der Sinn, was soll das und wo ist das noch vertretbar?
Wie aber Europa den Mund hält, ist beschämend, Gleiches gilt auch für viele Medien, die ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nachkommen: hinterfragen, recherchieren, Wahrheit ans Licht bringen.