Islamabad – Kurz nach 6 Uhr morgens Islamabader Zeit trat JD Vance vor die Kameras und sagte, man habe keine Einigung erzielt. Sie hätten sich entschieden, unsere Bedingungen nicht anzunehmen. Dann fügte er hinzu, man habe ein letztes und bestes Angebot hinterlassen. Man werde sehen, ob Iran es annehme. Dann ging er. Ohne Fragen zu beantworten.
Kurz danach rollte die Air Force Two zur Startbahn.
21 Stunden hatten die Gespräche gedauert. Die längsten direkten Verhandlungen zwischen amerikanischen und iranischen Offiziellen seit der Islamischen Revolution von 1979, die die beiden Länder auf einen Kollisionskurs gebracht hatte, dem sie seitdem nicht entkommen sind. Sechs Wochen zuvor hatten amerikanische und israelische Luftangriffe Irans Obersten Führer getötet. Jetzt saß Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf Vance gegenüber, in Islamabad, vermittelt von Pakistan, während draußen die Stadt abgeriegelt war.

Das allein ist außergewöhnlich. Und es reichte trotzdem nicht.
Der Knackpunkt ist der gleiche, der seit Wochen auf dem Tisch liegt. Vance sagte, die USA bräuchten eine klare Zusage, dass Iran keine Atomwaffe anstrebe und nicht die Mittel entwickle, um schnell eine zu bauen. Das bedeutet in der Praxis: keine Urananreicherung auf iranischem Boden, keine Vorräte an hochangereichertem Uran. In Isfahan lagern derzeit rund 440 Kilogramm waffenfähiges Material. Iran sagt, das Recht auf Anreicherung sei nicht verhandelbar, auch wenn das Niveau es sei. Diese Lücke ist nicht klein. Sie ist fundamental.
Irans Außenamtssprecher Esmaeil Baqaei hatte zuvor aus Islamabad geschrieben, die Gespräche hätten verschiedene Dimensionen der Hauptverhandlungsthemen abgedeckt – die Straße von Hormus, die Nuklearfrage, Kriegsreparationen, die Aufhebung von Sanktionen und ein vollständiges Ende des Krieges. Der Erfolg hänge davon ab, ob die USA Irans legitime Rechte und Interessen anerkennten.

Warten – gegenüber dem Serena Hotel, direkt auf der anderen Seite im Convention Center, das als Media Center fungierte
Irans staatliches Fernsehen sagte, die überzogenen Forderungen der Amerikaner hätten die Gespräche blockiert. Trotz verschiedener kreativer Ansätze des iranischen Teams sei kein Fortschritt möglich gewesen. Ali Gholhaki, konservativer Analyst mit engen Verbindungen zur iranischen Regierung, schrieb nach dem Scheitern der Gespräche, was viele in Teheran dachten, aber nicht laut sagten. Washington habe keine Anreicherung akzeptiert, die Entfernung fast aller Uranvorräte aus dem Land verlangt und eine neue Forderung auf den Tisch gelegt, die in keinem früheren Gesprächsrahmen vorgekommen war: die amerikanische Kontrolle über die Sicherheit der Straße von Hormus zu amerikanischen Bedingungen. Und kein Wort über ein Ende der israelischen Angriffe auf den Libanon. Gholhaki zog daraus eine Schlussfolgerung, die knapper nicht hätte sein können: Die Amerikaner seien gar nicht zum Verhandeln gekommen.

Mohammad Bagher Ghalibaf, der „Metzger von Teheran“, ein Begriff, der auf das Jahr 2003 zurückgeht, als er als Polizeichef das harte Vorgehen gegen Studentenproteste verantwortete und sich bis heute mit seiner Rolle in dieser Phase verbindet.
Vance hatte während der 21 Stunden nach eigenen Angaben ein Dutzend Mal mit Trump gesprochen, dazu mit Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Admiral Brad Cooper, dem Befehlshaber des US-Zentralkommandos. Man habe in gutem Glauben verhandelt, sagte er.
Trump selbst schaute sich zu diesem Zeitpunkt in einer Sportarena in Miami gemeinsam mit Rubio eine UFC-Veranstaltung an, also Mixed Martial Arts, eine Kampfsportliga mit Käfigkämpfen. Er hatte früher am Abend gesagt, es spiele keine Rolle, ob eine Einigung erzielt werde. Wir gewinnen so oder so. Wir haben sie militärisch besiegt.
US-Präsident Donald Trump besucht derzeit die Veranstaltung UFC 327 in Miami, Florida, und trat gemeinsam mit Dana White, dem Präsidenten und langjährigen Chef der Kampfsportliga UFC, auf.
Experten hatten schon vor den Gesprächen gewarnt, dass eine Einigung in einer einzigen Sitzung unrealistisch sei. Das Atomabkommen von 2015 hatte zwei Jahre gedauert. Die Komplexität der Fragen, die zentrale Bedeutung des Atomprogramms für Irans nationales Selbstverständnis und der Streit um die Kontrolle der Straße von Hormus deuteten von Anfang an auf eine lange Verhandlung hin.
Möge Gott uns helfen, das bedeutet, wir sind wieder im Krieg.
Viele Iraner hatten die Gespräche aufmerksam verfolgt, in der Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch, der den Krieg beenden und mit der Aufhebung der Sanktionen dringend benötigte wirtschaftliche Erleichterung bringen würde.
Israel war nicht in Islamabad dabei. Seine Streitkräfte haben Iran seit dem Waffenstillstand nicht mehr angegriffen, führen aber weiter Angriffe im Libanon durch. Netanyahu sagte am Samstag, der Krieg sei nicht vorbei, auch wenn Irans Militär schwer beschädigt sei.
Die zweiwöchige Waffenruhe läuft noch. Was danach kommt, hat Vance offen gelassen.
Das letzte und beste Angebot liegt auf dem Tisch.
Islamabad ist leer.
Auch unsere Reise geht weiter. Fast alle von uns sind seit mehr als 70 Stunden auf den Beinen. Schwierige Zeiten verlangen das als schlichte Tatsache. Nächste Woche steht ICE im Fokus, die weitere Planung für den Nahen Osten beginnt heute. Daher erfolgt die nächste Berichterstattung gegen 16:00 Uhr MEZ
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