Vier Pfoten im Zielraum – Hund sprintet bei Olympia in Tesero mit!
Mitten im Frauen-Team-Sprint der Winterspiele von Mailand-Cortina lief plötzlich ein weiterer „Teilnehmer“ in die Loipe ein. Während sich die Athletinnen im Zielbereich in Tesero quälten, tauchte ein Hund auf, rannte die Gerade entlang und hielt mühelos mit dem Feld mit. Weder ließ er sich von Streckenmarkierungen noch von Kameras beeindrucken. Das Publikum reagierte mit Gelächter und Applaus, die Läuferinnen blieben konzentriert und zogen ihr Rennen durch, als wäre ein vierbeiniger Begleiter Teil des Programms. Erst hinter der Ziellinie griffen Helfer ein und brachten das Tier unter Kontrolle. Später stellte sich heraus, dass es sich von seinem Besitzer bei einem Spaziergang losgerissen hatte. Ausgerechnet an diesem Tag schrieb Johannes Høsflot Klæbo auf derselben Strecke Geschichte und gewann sein zehntes olympisches Gold, das fünfte bei diesen Spielen. Zwischen Rekordlauf und Medaillenjagd blieb damit ein Bild hängen, das keine Medaille braucht: ein Hund, der für ein paar Sekunden einfach mitlief.
Schwierige Gespräche in Genf – Kein Durchbruch zwischen Moskau und Kiew

Die jüngste von den USA vermittelte Gesprächsrunde zwischen Vertretern aus Moskau und Kiew ist in Genf ohne sichtbaren Durchbruch zu Ende gegangen. Beide Seiten sprechen von schwierigen, aber sachlichen Verhandlungen, während sich der vierte Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine nähert. Es war bereits die dritte direkte Runde in diesem Jahr nach Treffen in Abu Dhabi, die zwar als konstruktiv beschrieben wurden, jedoch keine entscheidenden Fortschritte brachten. Auch in der Schweiz waren die Erwartungen niedrig. Wolodymyr Selenskyj sprach nach einem Telefonat mit seinem Verhandlungsteam von keiner einfachen Lage. Politisch bleiben die Fronten verhärtet, vor allem mit Blick auf die von Russland besetzten Gebiete im Osten der Ukraine, die Moskau dauerhaft sichern will. Selenskyj wirft Russland erneut vor, Zeit zu gewinnen, während die militärischen Operationen weiterlaufen. Dennoch gebe es bei militärischen Fragen Bewegung, insbesondere bei der möglichen Überwachung eines künftigen Waffenstillstands, an der die Vereinigten Staaten beteiligt sein sollen.
Der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski bezeichnete die Gespräche als schwierig, aber geschäftsmäßig. Aus dem Kreml heißt es, es sei zu früh für eine Bewertung der Ergebnisse. Weitere Treffen sind geplant. Während Diplomaten in Konferenzräumen verhandeln, gehen die Kämpfe entlang der rund 1.250 Kilometer langen Front weiter. Kurz nach dem ersten Verhandlungstag trafen russische Drohnen Wohngebiete in Saporischschja, eine Frau kam ums Leben, Kinder wurden verletzt. In der Nacht folgten Raketen- und Drohnenangriffe.
Europa sitzt mit am Tisch. Vertreter aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und der Schweiz waren in Genf eingebunden. Für Selenskyj ist die Beteiligung Europas unverzichtbar, da die Sicherheit des Kontinents unmittelbar betroffen ist. In der Sache bleiben die Positionen weit auseinander. Kiew bietet eine Waffenruhe und direkte Gespräche mit Wladimir Putin an. Moskau verlangt zunächst eine umfassende Vereinbarung. Zu Putins Bedingungen gehören ein Verzicht der Ukraine auf einen NATO-Beitritt, eine deutliche Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte sowie ein Sonderstatus für russische Sprache und Kultur. Zudem fordert der Kreml den Rückzug ukrainischer Truppen aus vier teilweise besetzten Regionen. Selenskyj hält dagegen und erklärt, die Ukraine werde kein Territorium abtreten.
Einsatzbereit bis Samstag – Washington steht vor der Entscheidung über einen Schlag gegen Iran

Die Lage ist nicht mehr hypothetisch. Führende Sicherheitsberater haben Donald Trump darüber informiert, dass das US-Militär nach aktuellem Stand bereits am Wochenende, möglicherweise schon am Samstag, zu Angriffen auf Iran bereit sein könnte. Diese Einschätzung macht aus einer strategischen Option ein konkretes Zeitfenster. Der Präsident hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, doch die militärische Maschine ist in Bewegung. In den vergangenen Wochen wurde die amerikanische Präsenz im Nahen Osten massiv verstärkt. Zwei Flugzeugträgerverbände operieren oder bewegen sich in Richtung Einsatzraum. Der Flugzeugträger Gerald R. Ford, zuletzt noch im Karibikraum im Einsatz, steuert auf das Mittelmeer zu, um sich der Abraham Lincoln anzuschließen. Begleitet werden sie von Zerstörern, Kreuzern und U-Booten. Mehr als 50 zusätzliche Kampfjets wurden in die Region verlegt. Dutzende Tankflugzeuge sichern die Reichweite für eine längere Luftkampagne. Langstreckenbomber stehen in erhöhter Alarmbereitschaft.
Parallel dazu wurden Luftabwehrsysteme wie Patriot und THAAD vorgezogen, um amerikanische Stützpunkte, Soldaten und Verbündete gegen mögliche iranische Gegenschläge zu schützen. Noch vor wenigen Wochen galt die militärische Ausgangslage als unzureichend vorbereitet für eine größere Eskalation. Inzwischen ist das Bild ein anderes. Ein Militärvertreter sagte intern, man könne Truppen und Anlagen zumindest für eine begrenzte Kampagne absichern. Ob die USA auch für einen längeren Konflikt gerüstet sind, bleibt offen. Im Fokus möglicher Angriffe stehen das iranische Atomprogramm, Raketenstellungen und Startanlagen sowie Einrichtungen der Revolutionsgarden. Trump hat wiederholt verlangt, dass Iran die Urananreicherung vollständig beendet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drängt seit Wochen auf ein entschlossenes Vorgehen, um Irans Fähigkeit zu Raketenangriffen auf Israel zu schwächen. In Israel laufen Vorbereitungen für den Fall eines gemeinsamen Einsatzes. Das Sicherheitskabinett wurde kurzfristig neu terminiert.
Gleichzeitig finden indirekte Gespräche statt. In Genf trafen Vertreter beider Seiten aufeinander. Teheran bat um zwei Wochen Zeit, um konkrete Vorschläge vorzulegen. Amerikanische Offizielle sprechen von Fortschritten, betonen aber, dass erhebliche Differenzen bestehen bleiben. Viele im Umfeld der Administration zweifeln daran, dass eine diplomatische Lösung kurzfristig erreichbar ist. Ein weiterer Angriff käme nur Monate nach der letzten großen Militäraktion. Nach den Schlägen im vergangenen Jahr erklärte Trump, Irans Atomprogramm sei ausgelöscht worden. Nun steht erneut die Frage im Raum, ob militärische Mittel notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Gleichzeitig wächst das Risiko einer massiven iranischen Reaktion. Raketenangriffe auf Israel oder auf US-Stützpunkte in der Region gelten als wahrscheinliches Szenario im Fall einer Eskalation.
Für einen Präsidenten, der im Wahlkampf versprach, die Vereinigten Staaten aus neuen Kriegen herauszuhalten, ist die Entscheidung politisch heikel. Ein Schlag gegen Iran könnte als Durchsetzung roter Linien verkauft werden. Er könnte aber ebenso einen breiteren Konflikt auslösen, dessen Dauer und Kosten kaum kalkulierbar sind. Das Zeitfenster bis Samstag erhöht den Druck. Diplomatie und militärische Option laufen parallel. Am Ende liegt die Entscheidung allein im Oval Office.
50 neue Raketenwerfer vor Parteitag – Kim Jong Un verschärft den Kurs gegen Seoul

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un hat die Stationierung von 50 neuen Trägerfahrzeugen für nuklearfähige Kurzstreckenraketen bekanntgegeben. Die Fahrzeuge sind für 600-Millimeter-Mehrfachraketenwerfer ausgelegt, Systeme, die technisch zwischen klassischer Artillerie und Kurzstrecken-Ballistik liegen. Sie erzeugen eigenen Schub, werden während des Flugs gesteuert und sind darauf ausgelegt, Raketenabwehrsysteme in Südkorea zu überlasten. Die Präsentation erfolgte wenige Tage vor einem wichtigen Parteikongress der Arbeiterpartei. Staatsmedien zeigten Reihen von Startfahrzeugen vor dem Kulturhaus des 25. April, einem symbolträchtigen Ort früherer Parteitage. Kim sprach von „wunderbaren“ Raketenwerfern mit künstlicher Intelligenz und moderner Zielsteuerung. Der Begriff „strategische Mission“ fiel mehrfach, ein Hinweis auf nukleare Einsatzoptionen.

Der kommende Parteitag soll neue Pläne zur Stärkung der nuklear bewaffneten Streitkräfte festschreiben. Bereits jetzt verfügt Pjöngjang über ein Arsenal, das nicht nur Südkorea und Japan, sondern potenziell auch das amerikanische Festland erreichen kann. Seit dem Scheitern der Gespräche mit den USA 2019 hat Nordkorea nahezu alle Kooperationskanäle mit Seoul eingefroren. Inzwischen spricht die Führung offen von einem feindlichen Zwei-Staaten-System auf der koreanischen Halbinsel.
Parallel verschärft Pjöngjang den Ton im Streit um mutmaßliche Drohnenflüge aus dem Süden. Kim Yo Jong, Schwester des Machthabers und zentrale außenpolitische Stimme, bewertete eine Entschuldigung des südkoreanischen Vereinigungsministers als „vernünftig, aber unzureichend“. Zugleich kündigte sie an, die Grenzüberwachung zu verstärken und bei erneuten Vorfällen mit Gewalt zu reagieren. Seoul bestreitet staatliche Drohnenflüge zu den genannten Zeitpunkten, prüft aber Vorwürfe gegen Zivilisten aus Grenzregionen. Ein 2018 geschlossenes Militärabkommen zur Deeskalation liegt auf Eis. Während im Süden über Wiederbelebung gesprochen wird, setzt der Norden auf Abschreckung durch Aufrüstung.
Cokebreak Mountain – Wenn der Gesundheitsminister in Jeans ins Eis steigt
Es gibt politische Programme, es gibt Reformpakete – und dann gibt es einen 72-jährigen Gesundheitsminister, der in nassen Jeans in eine Eistonne steigt, während Kid Rock daneben Liegestütze macht und „Bawitdaba“ aus den Lautsprechern hämmert. Willkommen im Jahr 2026, wo Gesundheitspolitik aussieht wie ein Casting für eine späte Staffel von „Jackass trifft Landwirtschaftsausschuss“. Robert F. Kennedy Jr., offizieller Hüter der amerikanischen Volksgesundheit, wollte nach eigener Aussage zwei einfache Botschaften senden: „Bewegt euch“ und „Esst echtes Essen“. Was wir bekommen haben, ist ein 90-Sekunden-Manifest für Denim-Wellness und Vollmilch-Männlichkeit. Der Mann zieht das Shirt aus, bleibt aber konsequent in der Jeans. Während andere sich fragen, wie man Adipositas, Diabetes und psychische Erkrankungen bekämpft, zeigt der Minister: Der wahre Feind ist offenbar das Elastan in Trainingshosen.

„Ja, dieser Irrsinn ist wahr – 2026. ein Jahr wo scheinbar nichts mehr unmöglich ist“
Der Clip beginnt mit einem ausgestopften Bären. Warum auch nicht. Wenn man schon Politik mit Symbolkraft betreibt, dann bitte mit Trophäe im Hintergrund. Es folgen Hanteln, Sit-ups, Sauna-Press-ups und eine Eistonne, die wahrscheinlich mehr Haushaltsmittel gesehen hat als manche Präventionsprogramme. Kennedy hält Kid Rocks Füße, Kid Rock streckt der Kamera den Mittelfinger entgegen, beide trinken am Ende Vollmilch wie zwei pubertierende Quarterbacks nach dem Heimspiel. Vollmilch. Das ist der eigentliche Star. Während das Landwirtschaftsministerium triumphierend „Vollmilch ist zurück“ verkündet, wird der Gesundheitsdiskurs auf Fettgehalt reduziert. Jahrzehntelange Debatten über Ernährung, Zucker, Lebensmittelindustrie – alles weggeschäumt mit einem Glas weißer Symbolik. Barack Obama schränkte Vollmilch in Schulen ein, Donald Trump unterschreibt das Comeback. Und RFK Jr. liefert die Fitness-Oper dazu.
Kid Rock, einst Botschafter für Whiskey und fliegende Gegenstände, jetzt offenbar Co-Dozent im Fach „Rohkost und Rebellion“, radelt im Saunaraum, während Kennedy in Eiswasser taucht. Das Ganze wirkt wie ein Bewerbungsvideo für den Posten des nationalen Maskottchens für Testosteron. Nur dass hier der Gesundheitsminister sitzt – pardon, radelt. Man muss sich das vorstellen: Während Krankenhäuser über Personalnot klagen, während die Opioidkrise weiter brennt, während Impfprogramme politisiert werden, veröffentlicht das Ministerium de facto ein Musikvideo. Keine Zahlen, keine Strategie, kein Gesetzesentwurf – dafür Bizeps, Jeans und ein Glas Milch im Pool.
Natürlich kann man sagen: Bewegung ist gut. Echtes Essen ist sinnvoll. Aber wenn politische Kommunikation zum Fitness-Reel verkommt, wenn komplexe Gesundheitsfragen in eine Mischung aus Eisbaden und Rocksound gegossen werden, dann wird aus Prävention Performance. Und aus Verantwortung ein viraler Clip. Am Ende stehen zwei Männer im Wasser, stoßen mit Vollmilch an und schauen zufrieden in die Kamera. Die Botschaft scheint klar: Amerika soll gesünder werden – vorzugsweise oben ohne, in Jeans und begleitet von einem Soundtrack, der früher für Barhocker gedacht war. Vielleicht ist das die neue Gesundheitsreform. Weniger Papier, mehr Pool. Weniger Studien, mehr Eis. Und wenn es mit der Politik nicht klappt, bleibt immer noch die Option als Fitness-Influencer im Kabinett.
Lager neben dem Cheerleading – ICE kauft Hallen, und selbst Trump-Wähler gehen auf Distanz

In Surprise, Arizona, steht eine Cheerleading-Halle direkt neben einem Industriegebäude, das die Bundesregierung kürzlich gekauft hat. Dort sollen künftig bis zu 1.500 Menschen festgehalten werden. Stacy Bradley, Mitinhaberin des Studios und Wählerin von Donald Trump, unterstützt dessen Grenzpolitik und spricht von wiederhergestellter Ordnung. Doch der Gedanke, dass Kinder im Alter von drei Jahren künftig neben einem Abschiebelager trainieren, bereitet ihr Unbehagen. Sie fürchtet Ausbrüche, Proteste und Bilder von Gefesselten direkt vor der Tür. Surprise ist kein Einzelfall. In mehreren Bundesstaaten erwirbt oder plant die Behörde Industriehallen, um zusätzliche Haftkapazitäten zu schaffen. Insgesamt sollen zehntausende neue Betten entstehen, langfristig zielt man auf mindestens 100.000 Plätze. Derzeit befinden sich rund 68.000 Menschen in Gewahrsam. Die neuen Standorte reichen von Georgia über Texas bis Pennsylvania. Einige Projekte wurden bereits umgesetzt, andere stoßen auf Widerstand oder sind geplatzt, nachdem Verkäufer unter öffentlichem Druck absprangen.
Kritik kommt nicht nur aus liberalen Städten. Auch in Kommunen mit klarer Trump-Mehrheit wächst Skepsis. Bürger sorgen sich um Wasser- und Abwassersysteme, Notfallversorgung und sinkende Steuereinnahmen, weil der Bund in der Regel keine lokalen Grundsteuern zahlt. In Social Circle, Georgia, wo mehr als 70 Prozent für Trump stimmten, lehnt nach Angaben der Stadtverwaltung die Mehrheit der Bewohner das geplante Großlager mit bis zu 8.500 Plätzen ab. Die Stadt hat nur zwei Polizisten pro Schicht und zwei kleine Krankenhäuser in zwanzig Minuten Entfernung. Die Bundesregierung argumentiert mit Effizienz und Arbeitsplätzen. Die Hallen würden umgebaut, medizinische Versorgung und Verpflegung bereitgestellt, Überfüllung vermieden. Gleichzeitig berichten bereits bestehende Einrichtungen von überlasteten Aufnahmeräumen und Sicherheitsproblemen. Viele lokale Amtsträger sehen kaum rechtliche Möglichkeiten, den Bund zu stoppen, da dieser oft nicht an kommunale Bau- und Nutzungsregeln gebunden ist. Einige versuchen es dennoch mit Moratorien oder rechtlichen Prüfungen.
Die Auseinandersetzung zeigt ein Konfliktlage, das über Parteigrenzen hinausgeht. Viele Bürger befürworten strengere Einwanderungspolitik, möchten aber keine Haftzentren im eigenen Viertel. Zwischen politischer Zustimmung und konkreter Nachbarschaft entsteht eine Lücke. Die Frage ist nicht nur, wie viele Menschen festgesetzt werden sollen, sondern wo – und zu welchem Preis für die Gemeinden.
🚑 🚑 🚑 „Kinder- und Menschenfresser“ vor dem Kanzleramt – Xavier Naidoo knüpft wieder an alte Verschwörungsbilder an
„Xavier Naidoo ist und Xavier Naidoo ist nicht. Der, der 2022 bereute, war ein anderer – oder war es derselbe? Er schreibt diese Worte und erkennt sich nicht darin. Es gibt einen Xavier, der singt, einen, der lügt, einen, der glaubt, dass er bereut hat. Sie alle leben in ihm wie in verschiedenen Städten. Der eine sagt: „Ich war verblendet.“ Der andere sagt: „Nein, ich war immer wach.“ Ein dritter schweigt und tritt vor das Kanzleramt. Er beobachtet sie alle und kann nicht sagen, welcher er ist. Vielleicht ist er nur der Zuschauer seiner eigenen Widersprüche, ein Mann, der zusieht, wie Xavier Naidoo sein Leben lebt – oder mehrere Leben gleichzeitig. Wer spricht hier? Er weiß es nicht mehr.“ (Anmerkung der Redaktion)
Xavier Naidoo hat bei einer Demonstration vor dem Bundeskanzleramt erneut schwerwiegende Verschwörungsbehauptungen verbreitet. Mit Blick auf veröffentlichte Epstein-Dokumente sprach er von „Kinderfressern“ und behauptete, es gehe nicht um gewöhnlichen Menschenhandel, sondern darum, dass „unsere Babys gefressen“ würden. Zudem sagte er, er könne nicht mit „Kinderfressern“ zusammenleben, und stellte die These auf, alle Menschen hätten unwissentlich bereits Menschenfleisch gegessen.
Die Wortwahl ist nicht neu. Sie greift Bilder auf, die seit Jahrhunderten in antisemitischen Verschwörungserzählungen kursieren. Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume warnte, ein Teil von Naidoos Anhängern werde solche Begriffe im Kontext früherer Äußerungen als antijüdische Chiffren verstehen. In der Vergangenheit hatte Naidoo mit Formulierungen wie „Tothschild“ gearbeitet und sich auf Motive aus dem QAnon-Umfeld bezogen, darunter die Behauptung, Kindern werde in satanischen Ritualen Blut entzogen. 2022 hatte sich der Sänger öffentlich von extremen Positionen distanziert und erklärt, er sei von Verschwörungserzählungen geblendet gewesen. Danach zog er sich von großen Bühnen zurück. Im Dezember folgte das Comeback mit einem ausverkauften Konzert in Köln, Ende Januar erschien eine neue Single.
Die Veranstalter der Demonstration „Sexuelle Gewalt an Kindern stoppen“ distanzierten sich im Nachgang von seinem Auftritt. Man habe keine politische Vereinnahmung gewollt. Gleichzeitig laufen am Landgericht Mannheim zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Naidoo. Es geht um Inhalte mit Holocaust-leugnendem und antisemitischem Charakter, die über einen Telegram-Kanal verbreitet worden sein sollen. Ob es zur Eröffnung eines Hauptverfahrens kommt, ist offen.
