Teheran – In dieser Nacht war Teheran das, was Teheran in zu vielen Nächten geworden ist. Explosionen. Tieffliegende Kampfjets. Wohngebäude, die nicht mehr stehen. Menschen, die nicht mehr wissen, wohin. Szenen, für die es keine anderen Worte gibt als die, die man nicht hören will.

Israel beanspruchte die jüngste Angriffswelle auf die iranische Hauptstadt, ohne Details zu nennen. Das US-Zentralkommando teilte mit, die amerikanischen Streitkräfte hätten seit Kriegsbeginn über 13.000 Ziele getroffen. 13.000. In weniger als sechs Wochen. Darunter Wohngebäude, Universitäten – in den letzten Tagen zwischen 20 und 30 akademische Einrichtungen – Infrastruktur, Energieanlagen, alles was eine Stadt am Leben hält und alles was Menschen brauchen um morgens aufzustehen und zu wissen, dass der Tag kommt.
Ali Ghamsari, ein iranischer Musiker, hat sich vor dem Damavand-Kraftwerk in Teheran auf einen Teppich gesetzt, eine Decke um sich gelegt, sein Instrument neben sich. Er plant, zu bleiben. Er sagte in einem Video: Heute gibt es Drohungen, unsere Infrastruktur anzugreifen. Es geht um Iran. Es geht um euch. Um mich. Um unsere Familien, Kinder, Krankenhäuser. Wenn es keinen Strom gibt, gibt es kein Wasser.
Ein Musiker sitzt vor einem Kraftwerk und erklärt der Welt, was Krieg bedeutet.

Trumps Frist läuft um 20 Uhr Ortszeit Washington ab. Jede Brücke in Iran solle bis Mitternacht zerstört sein, hatte er am Montag gesagt. Kraftwerke würden brennen und nie wieder benutzt werden. Vier Stunden reichten dafür. Auf die Frage, ob Kriegsverbrechen ein Thema seien, antwortete er, das besorge ihn überhaupt nicht.


Zwischen 20-30 Universitäten wurden im Iran zerstört
Der UN-Sicherheitsrat stimmt am Dienstag über eine Resolution zur Öffnung der Straße von Hormus ab. Der ursprüngliche bahrainische Entwurf hätte Ländern erlaubt, alle notwendigen Mittel einzusetzen – in der Sprache der Vereinten Nationen eine Formulierung, die militärisches Handeln einschließt. Der Text wurde sechsmal überarbeitet. Was am Dienstag zur Abstimmung steht, empfiehlt Ländern lediglich, ihre Schutzbemühungen zu koordinieren. Russland und China hatten jeden stärkeren Entwurf blockiert. Die Abstimmung ist für 11 Uhr vormittags (19:00 Uhr MEZ) Ortszeit New York angesetzt, Stunden vor Trumps Frist.
Neuseelands Premierminister Christopher Luxon nannte Trumps Drohungen gegen iranische Infrastruktur nicht hilfreich. Angriffe auf Brücken, Staudämme und zivile Infrastruktur wären inakzeptabel, sagte er. Außenminister Winston Peters werde bei seinem Treffen mit Marco Rubio in Washington zur Deeskalation auffordern.
Iran hatte den Waffenstillstandsvorschlag bereits abgelehnt. Kein bloßer Waffenstillstand werde akzeptiert, nur ein Ende des Krieges mit Garantien. Die Angriffe gingen trotzdem weiter, auf beiden Seiten. Iran feuerte am Dienstag erneut Raketen auf Israel. Israel antwortete.
Und die Welt schaut zu.
Das ist der Satz, der bleibt. Nicht die Zahlen, nicht die Fristen, nicht die sechste Version eines UN-Textes, der niemanden mehr aufhält. Sondern die stille, unbestreitbare Tatsache, dass in Teheran Menschen in Schlafanzügen auf der Straße stehen, weinend, weil der nächste Einschlag zu nah war, während anderswo jemand über Osterhasen und bunte Eier spricht und ein Präsident erklärt, das besorge ihn nicht.
13.000 Ziele. Sechs Wochen. Und ein Musiker sitzt auf einem Teppich vor einem Kraftwerk und bittet darum, dass das Wasser fließt.
Das ist der Zustand der Welt an diesem Dienstag.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Nur zum Heulen auf der einen Seite und aufrichten Menschlichkeit auf der anderen. Dieser Musiker brennt Menschsein in Herz und Hirn ein. Danke für diese Veröffentlichung